Zwei Männer mit Mundschutz in einem Vorort von Damaskus, der möglicherweise Ziel eines Giftgasangriffes war © Bassam Khabieh/Reuters

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat eine sofortige Untersuchung des angeblichen Giftgaseinsatzes in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus mit Hunderten Toten gefordert. "Die Vorfälle müssen ohne Verzögerung untersucht werden", sagte ein Sprecher Bans. Eine entsprechende Anfrage der Vereinten Nationen sei bereits nach Damaskus geschickt worden. Ban erwarte unverzüglich eine positive Antwort der syrischen Regierung von Machthaber Baschar al-Assad.

Die UN haben schon Inspektoren in Syrien, die den möglichen Einsatz von Chemiewaffen im syrischen Bürgerkrieg an drei anderen Orten aufklären sollen. Nach dem Willen von Ban sollen diese Experten auch den neuen Fall vom Mittwoch untersuchen. Dabei waren nach Angaben von Oppositionellen bis zu 1.300 Menschen bei einem Giftgasangriff von Regierungstruppen getötet worden, darunter auch Frauen und Kinder. Die syrischen Streitkräfte weisen den Vorwurf zurück.

Der UN-Sicherheitsrat hat bereits eine "gründliche, unparteiische und prompte" Klärung der Vorwürfe gefordert, dabei aber nicht ausdrücklich eine Untersuchung durch UN-Inspektoren verlangt. Dies scheiterte am Widerstand der Vetomächte Russland und China. Sie hatten so schon in der Vergangenheit härtere Sanktionen gegen ihren Verbündeten Assad verhindert.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, bekräftigte die Forderung nach einer internationalen Überprüfung. "Wenn diese Berichte wahr sind, wäre dies eine empörende und abscheuliche Eskalation des Gebrauchs chemischer Waffen durch das Regime", sagte sie. 

Sollte sich der Verdacht gegen Assads Truppen bestätigen, geriete US-Präsident Barack Obama unter starken Handlungsdruck. Denn vor einem Jahr hatte Obama den Gebrauch chemischer Waffen im syrischen Bürgerkrieg als "rote Linie" bezeichnet. Falls diese  überschritten werde, würden die USA dem Morden in Syrien nicht mehr tatenlos zusehen.

Frankreich verlangt energische Reaktion

Frankreich hat der syrischen Führung indirekt mit einem Militäreinsatz gedroht, sollten sich die Berichte über einen Chemiewaffeneinsatz bestätigen. Die internationale Gemeinschaft müsse in einem solchen Fall "mit Macht und Stärke" reagieren, sagte Außenminister Laurent Fabius den Fernsehsendern BFM und RMC. Den Einsatz von Bodentruppen schloss er zwar aus. Sollte der UN-Sicherheitsrat aber keine Entscheidung treffen, müsse diese "auf anderem Wege" fallen, sagte Fabius. Schon im Libyen-Krieg hatte Frankreich einen Militäreinsatz durchgesetzt.

Frankreichs Präsident François Hollande hat den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien als "wahrscheinlich" eingestuft. Hollande habe in einem Telefonat mit UN-Generalsekretär Ban die Erschütterung in Frankreich über die "Massaker in Syrien in der Nacht vom 20. auf den 21. August und den wahrscheinlichen Einsatz von Chemiewaffen" deutlich gemacht, teilte das Präsidialamt in Paris mit. Er habe zudem Bans Einsatz für eine "schnelle und unabhängige Untersuchung" der Vorwürfe gelobt.

Auch die Türkei verlangte eine entschlossenere Haltung der UN. Es gebe im syrischen Bürgerkrieg "zahlreiche rote Linien, die schon überschritten worden sind", sagte Außenminister Ahmet Davutoğlu nach einem Treffen mit Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in Berlin. Dennoch sei der UN-Sicherheitsrat auch angesichts früherer Gewalt in Syrien "immer noch zögerlich, einen entschiedenen Beschluss zu fassen".

Westerwelle äußerte sich vorsichtiger. "Diese Vorwürfe sind so ungeheuerlich, dass es notwendig ist, bevor man über Konsequenzen spekuliert, erst einmal eine wirkliche Überprüfung zu ermöglichen", sagte er.