Trotz wachsender Spannungen zwischen Russland und den USA wollen die Außen- und Verteidigungsminister beider Länder am heutigen Freitag in Washington zusammenkommen. Da sich die Beziehung zwischen den beiden Vetomächten der Vereinten Nationen zuletzt drastisch abgekühlt hat, ist offen, ob die vier Minister bei ihren "Zwei-plus-zwei"-Gesprächen zu gemeinsamen Ergebnissen kommen werden.

Zuletzt hatte die Absage eines Treffens von US-Präsident Barack Obama mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin einen neuen Tiefpunkt im Verhältnis zwischen den USA und Russland markiert. Auslöser war der Fall des US-amerikanischen Spionage-Enthüllers Edward Snowden, dem Russland Asyl gewährte. Obama war darüber derart verärgert, dass er zwar zum G-20-Gipfel in St. Petersburg am 5. und 6. September reist, jedoch ein Einzeltreffen mit Putin in Moskau platzen ließ. 

US-Außenminister John Kerry will von seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow erneut die Auslieferung Snowdens an die USA fordern, kündigte US-Außenamtssprecherin Jen Psaki an. Snowden soll in den USA vor Gericht gestellt werden, Russland lehnt das ab. 

Streitpunkte gibt es reichlich

Im Fall Snowden entluden sich all die Spannungen, die sich seit Monaten im Verhältnis zwischen den USA und Russland aufgebaut hatten. Die Liste der Streitpunkte ist lang. So scheint eine gemeinsame Linie im Umgang mit dem Syrien-Konflikt nicht in Sicht. Während Russland das Regime von Präsident Baschar al-Assad unterstützt, beliefern die USA die syrischen Rebellen mit leichten Waffen. Für die von Russland und den USA in Genf geplanten Syrien-Friedensverhandlungen gibt es bislang noch keinen Termin. Bei der Konferenz sollen Wege aus dem seit mehr als zwei Jahre anhaltenden Bürgerkrieg gesucht werden.

Auch im Streit um eine geplante US-Raketenabwehr liegen US-Verteidigungsminister Chuck Hagel und sein russischer Kollege Sergej Schoigu weit auseinander. Zudem stieß der Vorschlag von Obama für eine neue atomare Abrüstungsinitiative auf russischer Seite nur auf wenig Interesse. Weitere Fragen betreffen das iranische Atomprogramm und Nordkorea.

Nicht zuletzt Russlands umstrittener Umgang mit Homosexuellen ist von den USA scharf kritisiert worden und soll laut US-Außenamtssprecherin Jen Psaki bei dem Ministertreffen auf jeden Fall Thema werden. Zuletzt hatte Obama die umstrittene russische Gesetzgebung zu Schwulen, Lesben und Transsexuellen im US-Fernsehen verurteilt.

Auch Obama dürfte zu den russisch-amerikanischen Verhältnissen Stellung beziehen, bevor er am Samstag einen achttägigen Urlaub im US-Staat Massachusetts antritt. Bei einer für den heutigen Freitag angekündigten Pressekonferenz wird erwartet, dass Obama sich erstmals persönlich zu seiner Entscheidung äußert, das Treffen mit dem russischen Präsidenten Putin abzusagen.