Die Aufrufe der ägyptischen Muslimbrüder zu erneuten Massendemonstrationen gegen die Übergangsregierung und das Militär nach dem Freitagsgebet haben wenig Widerhall gefunden. An den Protesten der Islamisten beteiligten sich landesweit einige Tausend Menschen, deutlich weniger als noch vor einer Woche.

Trotzdem kam es während der Demonstrationen zu gewalttätigen Ausschreitungen: In der nördlichen Provinzstadt Tanta wurde ein Demonstrant getötet. 25 weitere Menschen wurden verletzt, als wütende Anwohner einen Demonstrationszug der Muslimbruderschaft attackierten. In einigen Städten trieb die Polizei protestierende Islamisten mit Tränengas und Warnschüssen auseinander.

Die Demonstrationen unter dem Motto "Freitag der Märtyrer" richteten sich gegen Polizeigewalt und die Entmachtung von Präsident Mohammed Mursi durch die Armee Anfang Juli. In der Vorwoche waren am "Freitag des Zorns" bei Zusammenstößen zwischen Mursi-Anhängern und dem Militär mehrere Hundert Menschen getötet worden. 

Nur wenige Mubarak-Gegner

Die Haftentlassung des 2011 gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak führte aber nicht wie befürchtet zu zusätzlichen Spannungen. Vor dem Justizpalast in Kairo hielten einige Dutzend junge Angehörige von Revolutionsgruppen Plakate mit der Aufschrift "Nieder mit Hosni Mubarak" hoch. Mubarak steht in einem Militärkrankenhaus unter Arrest.

Mubarak, der Ägypten 30 Jahre lang regiert hatte, muss sich vor Gericht wegen der Tötung von mehr als 800 Demonstranten Anfang 2011 verantworten. Der Prozess wird an diesem Sonntag fortgesetzt. Am selben Tag beginnt auch der Prozess gegen das Oberhaupt der Muslimbrüder, Mohammed Badia, dem unter anderem Aufstachelung zur Gewalt vorgeworfen wird.   

Nahezu die gesamte Führungsriege der Muslimbrüder ist inzwischen in Haft. Zuletzt wurde mit Ahmed Aref einer der letzten Sprecher der Bewegung festgenommen. "Wir erhalten keine Weisungen mehr", sagte ein Mitglied der Muslimbrüder aus dem Nil-Delta. "Wir wissen nicht mehr, was wir tun sollen, die meisten führenden Köpfe sind inhaftiert."