Die Grünen-Spitze will nach der Wahlniederlage den Weg für eine personelle und inhaltliche Neuaufstellung freimachen. Parteichefin Claudia Roth sagte dem Sender Phoenix, es werde sicher Debatten über personelle Konsequenzen aus der Wahlniederlage geben. Auf die Frage, ob das auch für sie selbst gelte, sagte sie: "Ja, natürlich." Nicht klar ist, ob damit allein ein Rücktritt aus dem Parteivorstand oder auch vom Parteivorsitz gemeint ist.

Der Kovorsitzende Cem Özdemir sagte vor der Grünen-Vorstandssitzung am Morgen: "Ein 'Weiter so' wird es sicherlich nicht geben." Auch Özdemir plädierte für eine personelle und inhaltliche Veränderungen. Zum Bundesvorstand gehören neben Roth und Özdemir Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke, Schatzmeister Benedikt Mayer, Netzpolitiker Malte Spitz und die frauenpolitische Sprecherin Astrid Rothe-Beinlich.

Der langjährige Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, will ebenfalls nicht mehr für sein Amt antreten. "Ich sehe meine Perspektive in der Fachpolitik", sagte Beck.

Die Niederlage bei der Bundestagswahl, bei der die Grünen 8,4 Prozent erreicht hatten, verlange nach Veränderung. "Das muss jeder selbst entscheiden: Wo kann jeder seinen Beitrag leisten", sagte Beck. Der 52-Jährige ist seit 2002 Parlamentarischer Geschäftsführer. Zudem ist er Menschenrechtspolitiker. Nun sehe er die Chance, die Grünen als Bürger- und Menschenrechtspartei weiter zu profilieren.

Beck war zuletzt in der Debatte um Verstrickungen der Grünen in Pädophilie in die Kritik geraten. Er wies erneut Vorwürfe zurück, er habe über einen früheren Aufsatz mit einer pädophilen Position nicht die Wahrheit gesagt. Nach dem Wahlkampf rücke nun die wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas in den Vordergrund. Er habe sich wiederholt für den Aufsatz entschuldigt und sich für das Herausdrängen von Pädophilen bei den Grünen stark gemacht, sagte Beck.