In Norwegen steht nach acht Jahren rot-rot-grüner Koalition ein Regierungswechsel an. Die konservative Partei von Erna Solberg kann laut vorläufigen Ergebnissen der Parlamentswahl mit einem Mitte-Rechts-Bündnis die vom sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg geführte Regierung ablösen. Erstmals in der Geschichte Norwegens könnten nun die Rechtspopulisten an der Regierung beteiligt werden.

Das Bündnis von Solberg gewann nach jüngsten Zahlen 96 von 169 Parlamentssitzen. Stoltenbergs Koalition kam auf 72 Mandate. Der enorm beliebte Ministerpräsident räumte schon nach den ersten Hochrechnungen seine Niederlage ein und gratulierte Solberg zum Wahlsieg. 

Solberg sprach von einem historischen Sieg. "Die Wähler hatten die Wahl zwischen zwölf Jahren rot-grüner Regierung oder einer neuen Regierung mit neuen Ideen und Lösungen", sagte sie. Ihre konservative Partei wurde zwar hinter Stoltenbergs Arbeiterpartei nur zweitstärkste Kraft. Mit ihren potenziellen Koalitionspartnern Christdemokraten, Liberale und der rechtspopulistischen Fortschrittspartei hätte sie aber eine Mehrheit im Parlament, die Stoltenberg mit seinen bisherigen Partnern, den Sozialisten und der ökologischen Zentrumspartei, verlor. Die drei Koalitionsparteien kommen nur noch auf zusammen 40,4 Prozent.

Der Regierungswechsel hatte sich laut Umfragen schon vor der Wahl trotz einer starken Wirtschaft und niedrigen Arbeitslosenzahlen abgezeichnet. Solbergs Partei Høyre hatte vor der Wahl erstmals gesagt, sie wäre zu einer Koalition mit der rechtspopulistischen Fortschrittspartei bereit, die sich gegen Einwanderung stellt und der einst auch der Attentäter Anders Behring Breivik angehörte, der 2011 in Oslo und auf der nahen Insel Utøya 77 Menschen getötet hatte. Solberg könnte aber auch die Unterstützung der Liberalen und der Christdemokraten suchen.

Zu Solbergs Wahlversprechen gehören, für ein größeres Angebot an privater Gesundheitsvorsorge zu sorgen und Steuern auf Guthaben über umgerechnet rund 106.000 Euro zu senken.

Die Chefin der Fortschrittspartei, Siv Jensen, kündigte "harte Verhandlungen" über eine "Plattform für die Regierung" an. Den jüngsten Hochrechnungen zufolge kommt ihre Partei auf 29 Sitze, das wären zwölf weniger als bei der Wahl 2009. Trotz schwindender Popularität ist die Fortschrittspartei noch die drittgrößte Partei des Landes.