Korea : Norden sagt Familientreffen mit dem Süden ab

Nordkorea verschiebt die Treffen von getrennten Familien aus dem Norden und Süden. Nach jüngsten Anzeichen für eine Annäherung ist das ein Rückschlag für die Beziehungen.
Abschied nach einem Treffen getrennter Familien aus Nord- und Südkorea (Archivbild) © EPA/Yonhap News Agency

Wenige Tage vor den mit Spannung erwarteten geplanten Zusammenführungen nord- und südkoreanischer Familien hat Nordkorea die Treffen abgesagt. Das Vorhaben werde wegen der feindlichen Politik des Südens auf unbestimmte Zeit verschoben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Erst vor wenigen Wochen hatten sich die Regierungen in Pjöngjang und Seoul auf die Wiederaufnahme der Treffen geeinigt.

"Wir verschieben das anstehende Wiedersehen getrennter Familien, bis eine normale Atmosphäre für Gespräche und Verhandlungen geschaffen ist", zitierte KCNA ein für die Beziehungen zum Süden zuständiges Regierungskomitee. Solange Südkorea die innerkoreanischen Beziehungen mit "Feindseligkeit und Beschimpfungen" behandle, könnten humanitäre Fragen wie die Familienzusammenführungen nicht geklärt werden.

Der Norden kritisierte vor allem gemeinsame Militärübungen des Südens mit der USA. Das südkoreanische Parlament hatte außerdem Anfang September der Festnahme eines linksgerichteten Abgeordneten wegen mutmaßlicher Anstachelung zum Aufruhr im Interesse Nordkoreas zugestimmt.

Südkoreas Ministerium für Wiedervereinigung kritisierte Nordkoreas Entscheidung als unmenschlich und nicht hinnehmbar.

Warteliste für Wiedersehen ist lang

Auf den offiziellen Listen für die Treffen standen jeweils etwa 100 Süd- und Nordkoreaner. Auf die Wiederaufnahme der Zusammenführungen hatten sich Nordkorea und Südkorea Ende August geeinigt. Die Familien sollten sich zwischen dem 25. und dem 30. September im Feriengebiet Kumgang in Nordkorea treffen. Das Programm aus dem Jahr 2000, in dessen Rahmen bislang Tausende Menschen kurzzeitig ihre Verwandten besuchen konnten, sollte nach dreijähriger Pause wieder aufgenommen werden.

Derzeit stehen etwa 72.000 Südkoreaner auf einer offiziellen Warteliste und hoffen, ihre Familienmitglieder im Norden besuchen zu dürfen. Die Hälfte von ihnen ist bereits über 80 Jahre alt. Zuletzt hatte es im Jahr 2010 Familienzusammenführungen gegeben, die stets sehr emotional ablaufen. Unter Aufsicht des Roten Kreuzes trafen sich Verwandte, die seit dem Koreakrieg auf verschiedenen Seiten der innerkoreanischen Grenze lebten.

Nach monatelangen heftigen Spannungen waren beide Länder zuletzt wieder vorsichtig aufeinander zugegangen. So wurde vor knapp einer Woche die gemeinsam betriebene Sonderwirtschaftszone Kaesong wieder geöffnet.

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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Unmenschlich

Es ist immeer grausam, wenn die Herrschenden Politik mit den Emotionen der Menschen machen. Und es ist ein hartes Schicksal, in einem Land geboren zu sein, in dem man der Willkür eines solchen Tyrannen ausgeliefert ist.

Wahr ist aber auch, dass bei uns im Westen kaum ein Tag vergeht, in dem nicht die Bilder von Not und Elend über die Fernsehschirme flimmern, um das allgemeine Volk von Maßnahmen zu überzeugen, die angeblich das Leid mildern, in Wahrheit jedoch einem anderen, nicht immer ganz so humanitären Zweck dienen. Ob ein Herrscher als Tyrann oder als Demokrat gesehen hängt immer davon ab wie sensibel und subtil er die Massen zu manipulieren versteht. Beispielsweise soll uns der oben stehende Artikel neben der reinen Information doch sicher auch noch etwas anderes vermitteln.

@SK2013

> Das unermessliche Leid der Bevölkerung in NK.

Solche Kommentare dürfen natürlich nicht fehlen unter einem Nordkorea-Artikel. Für Nordkorea ist schnell der Zusammenhang hergestellt zwischen Militärausgaben und sozialem Engagement, in Bezug auf die USA wartet man darauf vergebens. Aber ich kann sie beruhigen: Es dürfte in NK jeder ein Dach über dem Kopf haben verglichen mit den elenden Zeltstädten auf der anderen Seite des Ozeans.