US-Präsident Barack Obama will mit mehreren Fernsehinterviews und einer Ansprache an die Nation seine Landsleute von der Notwendigkeit eines militärischen Angriffs auf Syrien überzeugen. Allein sechs Interviews sind für den heutigen Montag geplant. Einen Tag später will sich Obama mit einer Rede an die Nation wenden. Nach dem Ende der Sommerpause könnten im US-Kongress die mit Spannung erwarteten Beratungen über einen Angriff auf Syrien beginnen. Allerdings zeichnet sich dort massiver Widerstand gegen die Pläne des Präsidenten ab, vor allem im Abgeordnetenhaus. Entscheidende Abstimmungen werden frühestens in der zweiten Wochenhälfte erwartet.

Obamas Stabschef im Weißen Haus, Denis McDonough, räumte ein, dass die USA keine "unwiderlegbaren, über jeden Zweifel erhabene Beweise" für einen Giftgaseinsatz der syrischen Regierungstruppen haben. In einem Interview des Senders CNN sagte McDonough, dass unabhängig von geheimdienstlichen Informationen der gesunde Menschenverstand sage, "dass das Regime das ausgeführt hat".

Als die CNN-Journalistin nachhakte, antwortete der Stabschef: "Haben wir ein Bild oder einen unwiderlegbaren Beweis, jenseits vernünftigen Zweifels? Dies ist kein Gericht. Und so läuft Geheimdienstarbeit nicht."

In weiten Teilen der US-Bevölkerung treffen Obamas Syrien-Pläne auf Widerspruch. Viele Bürger befürchten, dass ihr Land wieder in einen fernen Krieg gezogen werden könnte. Die US-Regierung hat den Einsatz von Bodentruppen in Syrien bereits ausgeschlossen.

Assad hält in Interview dagegen

Syriens Machthaber Assad wies in einem Interview des US-Senders CBS erneut den Vorwurf zurück, sein Regime habe Giftgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. Er bekräftigte zugleich, dass sein Land auf einen US-Militärschlag vorbereitet sei. Das Interview soll am heutigen Montag veröffentlicht werden. Vorab wurden jedoch Inhalte bekannt.

Demnach sagte Assad: "Es gibt keine Beweise dafür, dass ich chemische Waffen gegen mein eigenes Volk eingesetzt habe ..., und wenn die (Obama-)Regierung tatsächlich Beweise hat, dann sollte sie diese zeigen." In dem Interview deutet Assad auch an, dass es im Fall einer US-Intervention einen Vergeltungsschlag geben könnte. Diese Aktion könne aus einer Gruppe von Leuten kommen, die mit ihm verbündet seien.

China verlangt "extreme Vorsicht" von den USA

China hat die USA zu Zurückhaltung im Syrien-Konflikt aufgerufen. Außenminister Wang Yi forderte in einem Telefonat mit seinem amerikanischen Amtskollegen John Kerry "extreme Vorsicht" in dieser Frage, teilte das chinesische Außenministerium mit. Die maßgeblichen Länder sollten sich etwaige Schritte gegen Syrien "dreimal überlegen", wurde Wang zitiert. Er forderte die USA auf, sie sollten "in den Rahmen des UN-Sicherheitsrats zurückkehren, um dort Konsens zu erzielen und die Syrien-Frage angemessen zu behandeln". Die USA und China sollten sich jedem Einsatz von Chemiewaffen gemeinsam entgegenstellen.

China hat bislang mit Russland eine Resolution des UN-Sicherheitsrats zu Syrien verhindert. Die USA wollen notfalls auch ohne Zustimmung des Sicherheitsrats in Syrien eingreifen.