Am Tag vor der Bundestagswahl kämpfen die Spitzenpolitiker von CDU, SPD und FDP heute noch einmal um Wählerstimmen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihren letzten Wahlkampfauftritt in ihrem Wahlkreis in Stralsund. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück spricht in Frankfurt am Main. Die FDP beendet ihren Wahlkampf in Düsseldorf mit einem Auftritt von Außenminister Guido Westerwelle und Parteichef Philipp Rösler.

Nach den jüngsten Umfragen kann sich Merkel Hoffnung auf weitere vier Jahre Regierungszeit machen. Völlig offen ist aber, mit welchem Koalitionspartner sie an der Macht bleiben könnte. Nach den letzten Umfragen vor der Wahl gibt es zwischen Regierungslager und der Opposition im Bundestag ein Kopf-an-Kopf-Rennen oder ein minimales Plus für Schwarz-Gelb. Nur bei der Kanzlerfrage liegt Merkel deutlich vor Steinbrück.

Entscheidend könnte sein, ob es die euro-kritische Alternative für Deutschland (AfD) auf Anhieb ins Parlament schafft. Laut den Umfragen könnte sie an der Fünfprozenthürde scheitern. Die Piraten haben trotz Erfolgen bei Landtagswahlen kaum Chancen.

Gebuhlt wird vor allem um die sogenannte Zweitstimme, die die Wahl letztlich entscheidet. Insbesondere die FDP setzt darauf, dass Merkel-Anhänger für sie stimmen, damit sie im Bundestag bleibt und Schwarz-Gelb weitermachen kann. Die Union will das Bündnis mit der FDP ebenfalls fortsetzen, wehrt sich aber gegen die Zweitstimmenkampagne des bisherigen Partners.

SPD und Grüne streben offiziell weiterhin ein rot-grünes Bündnis an, obwohl dies die Umfragezahlen nicht hergeben. Eine Koalition mit der Linkspartei oder eine Duldung durch diese lehnt die SPD ab. In dieser Frage sei sich die gesamte SPD-Führung einig, bekräftigte Kandidat Steinbrück im Tagesspiegel.

Für die Grünen ist trotz schlechter Umfragewerte "noch überhaupt nichts entschieden", sagte Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. Spitzenkandidat Jürgen Trittin nannte bei ZEIT ONLINE ein besseres Ergebnis als bei der Bundestagswahl 2009 als Wahlziel. Damals holten die Grünen 10,7 Prozent.

Insgesamt gehen morgen bei der Wahl für den 18. Deutschen Bundestag 34 Parteien mit annähernd 4.500 Kandidaten ins Rennen. Sicher ist, dass Union (2009: 33,8 Prozent), SPD (23), Linkspartei (11,9) und Grüne (10,7) wieder ins Parlament kommen. Die FDP, die vor vier Jahren ein Rekordergebnis von 14,6 Prozent holte, muss zittern.