Der von den Grünen als Aufklärer ihrer Pädophilie-Verstrickungen eingesetzte Politologe Franz Walter verlangt von der Partei ein Treffen mit Zeitzeugen. "Es gibt viele, die damals bei den Debatten dabei waren. Es ist ihre historische Pflicht zu klären: Wie konnten diese Forderungen Eingang in unsere Programme finden?", sagte der Göttinger Wissenschaftler dem Focus. "Das alles zunächst ohne Kameras und Mikros. Aber dann Klartext reden und keine Nebelkerzen mehr", sagte er.

Die Grünen sind in die Kritik geraten, weil sie in ihren Anfangsjahren für eine Straffreiheit von "gewaltfreiem Sex" mit Kindern plädierten. Walter untersucht im Auftrag der Partei den Einfluss von Pädophilen-Gruppen in den frühen Jahren der Grünen.

Mit seinen Enthüllungen in der taz hat Walter auch den Grünen-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, Jürgen Trittin, in Bedrängnis gebracht. Trittin bedauert seine Fehler. Vorwürfe gibt es auch gegen den Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, Volker Beck.

Angesichts der politischen Dimension seiner Forschung müsse er vorsichtig sein, sagte Walter. "Bei dem kleinsten Fehler, etwa wenn ich auf eine Quelle hereinfalle, werde ich am Pranger stehen", sagte er. Wissenschaft müsse aber frei sein. "Einschüchtern lassen wir uns nicht", sagte der Politologe.