Der Kommissionspräsident der Europäischen Union, José Manuel Barroso, hat sich für die Aufnahme aller Balkan-Länder in die EU ausgesprochen. "Langfristig werden wir die Balkan-Länder aufnehmen, wenn sie die Voraussetzungen und Kriterien erfüllen", sagte Barroso der Bild. "Wir dürfen nicht vergessen, dass viele noch vor wenigen Jahren Krieg gegeneinander geführt haben." Der EU-Beitritt werde den Ländern eine Perspektive geben und sei ein wichtiger Hebel zur Befriedung der Region. "Es ist besser, Balkan-Länder in die EU aufzunehmen, statt sie in ein schwarzes Loch der Instabilität fallen zu lassen", sagte Barroso.

Auch der Türkei müssten die Türen für einen EU-Beitritt offenstehen, sagte Barroso. "Sie ist ein großes, wirtschaftlich und geopolitisch wichtiges Land, dessen Reformprozess in unserem Interesse ist. Deshalb wollen wir die Verhandlungen fortführen", sagte der EU-Kommissionspräsident. Allerdings sei klar, dass eine Aufnahme nur dann möglich ist, wenn die Türkei alle Voraussetzungen erfülle. "Letzten Endes müssen alle Mitgliedstaaten zustimmen. Das wird wohl noch einige Zeit dauern", sagte Barroso.

Die EU verhandelt bereits seit acht Jahren mit der Regierung in Ankara über einen EU-Beitritt der Türkei. Dort wächst der Unmut über die schleppenden Gespräche. Die EU hat nun eine neue Runde in den Beitrittsverhandlungen gestartet. Neben der Türkei sind unter anderem die Balkan-Länder Mazedonien und Montenegro Beitrittskandidaten für die EU.