AntisemitismusJudenfeindlichkeit ist gesellschaftsfähig geworden

Antisemitismus ist in allen Bevölkerungsgruppen präsent und wird offen gezeigt, warnen Experten. Judenfeindliche Klischees gehörten mittlerweile zum Alltag. von 

Genau vor 75 Jahren brannten die Synagogen. Organisierte nationalsozialistische Schlägertrupps zerstörten im gesamten Deutschen Reich jüdische Geschäfte, plünderten und misshandelten, verhafteten oder töteten Tausende Juden. Die "Reichspogromnacht" vom 9. November 1938 steht bis heute für den Antisemitismus in Deutschland. Sie markiert den Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung der deutschen Juden seit 1933 zu ihrer systematischen Verfolgung.

Doch Antisemitismus gehört in Deutschland nicht der Vergangenheit an, sagt die Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung, Anetta Kahane. "Wir erleben derzeit einen starken Anstieg beim Antisemitismus, und niemanden scheint das richtig zu stören." Auch in einer aktuellen EU-weiten Studie gibt eine deutliche Mehrheit der in der EU lebenden Juden an, mit zunehmendem Antisemitismus konfrontiert zu sein, auch in Deutschland. Hat sich der Antisemitismus in Deutschland tatsächlich verschärft?

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Laut Innenministerium hat sich die Zahl "antisemitischer Straftaten" von 2011 auf 2012 tatsächlich um 10,9 Prozent erhöht, darunter fallen Delikte wie Pöbeleien gegen Jüdinnen und Juden, Brandanschläge auf Synagogen, Schändungen jüdischer Friedhöfe oder die Zerstörung von Stolpersteinen. Die Zahl der "antisemitischen Gewalttaten" hat sich demnach sogar um 41,3 Prozent erhöht. 

Langfristig betrachtet lässt sich jedoch kein Aufwärtstrend feststellen, die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr: Seit Einführung der Statistik vor zwölf Jahren wurden 2006 mit über 1.800 Fällen die meisten antisemitischen Straftaten registriert, 2011 wiederum erreichten die Zahlen mit 1.239 Fällen ihren bislang niedrigsten Stand. In den meisten Fällen handelt es sich um Propagandadelikte, Sachbeschädigungen, Volksverhetzungen sowie Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Nur die wenigsten Fälle seien laut Innenministerium Gewaltdelikte und tatsächlich auch systematisch geplant, wie beispielsweise im Fall von Brand- und Sprengstoffanschlägen gegen Gedenkstätten oder Synagogen. Und die Kriminalstatistik zeigt auch: Nur ein Bruchteil der politisch motivierten Kriminalität in Deutschland ist gegen Juden oder jüdische Institutionen gerichtet: 2012 meldete das Innenministerium 2.464 Gewaltdelikte dieser Art, davon wurden 41 Fälle als "antisemitische Gewalttat" deklariert.  

Antisemitismus zeigt sich nicht allein in der Kriminalstatistik

Dennoch sagt Ralf Melzer von der Friedrich-Ebert-Stiftung: Deutschland hat ein Antisemitismus-Problem. "Judenfeindliche Einstellungen werden immer offener, dreister und weniger versteckt gezeigt." Auch Jan Riebe von der Amadeu-Antonio-Stiftung warnt davor, Antisemitismus in Deutschland zu bagatellisieren. Die Gefahr, die von judenfeindlichen Handlungen ausgehe, könne aus mehreren Gründen nicht allein mit der Kriminalstatistik aufgezeigt werden: Man müsse von einer hohen Dunkelziffer ausgehen, da es immer von der Polizeibehörde abhänge, ob ein Delikt als judenfeindlich eingestuft wird. Außerdem sei Antisemitismus vor allem eine Welterklärungsstrategie, die sich nicht nur in physischen Gewalttaten äußere, sagt Riebe. "Große Sorge bereitet uns deshalb vor allem jener Antisemitismus, der in der Mitte der Gesellschaft stattfindet."

Tatsächlich stellt ein Expertenbericht im Auftrag des Bundestages bei etwa einem Fünftel der Bevölkerung einen latenten Antisemitismus fest. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern nimmt Deutschland damit einen Platz im Mittelfeld ein, hinter westeuropäischen Ländern wie Italien, Großbritannien, Niederlande und Frankreich. 

Laut einer Studie der Ebert-Stiftung von 2012 ist der sogenannte "sekundäre Antisemitismus", also die Relativierung des Holocausts und Judenfeindlichkeit in Reaktion auf den Holocaust, bei knapp 24 Prozent der Deutschen verbreitet. Und auch die Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft geht davon aus, dass judenfeindliche Argumentationen und Stereotype mittlerweile in Gesellschaftskreisen als akzeptabel gelten, in denen sie noch vor einigen Jahren abgelehnt wurden. 

Leserkommentare
  1. Die moderne Judenfeindlichkeit in Deutschland ist kein Wunder.
    Antisemitismus, Antiamerikanismus und Antikapitalismus sind durch Nazis und Kommunisten den Deutschen tief eingeprägt worden. Selbst die 68er, die gegen die braune Gesinnung antreten wollten, waren am Ende durch ihre antikapitalistische und antiamerikanische Ideologie auch antisemitisch.
    Dass nun durch die Muslime eine weitere Bevölkerungsgruppe antisemitisches Denken in Deutschland verbreitet ist nicht verwunderlich.
    Hitlers "amerikanisches Finanzjudentum" ist leider heute in den Köpfen weitverbreitet - auch dank der Medien!

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    leider kann man Diskriminierung in der ganzen Welt feststellen ein Grund ist wohl immer Schuld bei anderen zu suchen",die Liste der betroffenen ist lang,so lang das hier die Zeilen dafür nicht ausreichen. Abhilfe oder zumindest zu verringern hat etwas mit Bildung und Zukunft Chancen zu tun.

    So viel Schmarrn in so wenigen Worte, Glückwunsch.
    Es gibt noch Menschen, die nicht in der Zeit des Nationalsozialismus geboren sind und auch nicht im Osten während des Kommunismus. Ja, Deutsche kriegen noch Kinder.
    Den Deutschen also eine genetisch imprägnierte Kollektiv-Ideologie vorzuwerfen haben Sie hoffentlich nicht aus einem Lehrbuch über Rassenideologie.

    Und dass Sie dann noch die Muslime mit in die Sache hineinziehen. Eine Minderheit, die die deutsche Mehrheitsmeinung nicht im Ansatz beeinflusst und selbst dank vorurteilsbehafteten Menschen wie "manchen hier" weitaus mehr diskriminiert werden als Juden... das ist ja die Höhe. Ein Ratespiel über Ihre Gesinnung verkneif ich mir jetzt mal. Aber allgemein bleibt festzuhalten, dass die Deutschen immernoch aus Individuen bestehen, denen Hitler und Honecker nicht mit nem Textmarker im Genpool gekritzelt haben und dass man eigentlich auch mehr Berichte über die Muslimen-Hetze in deutschen Zeitungen lesen sollte.
    Denn die haut in die gleiche Kerbe wie Judenhetze und führt bis heute dazu, dass sich kaum noch ein Jude traut hier ausser in Berlin anzusiedeln. Ich kann das aus persönlicher Erfahrung gut beurteilen.

    >>Antisemitismus, Antiamerikanismus und Antikapitalismus sind durch Nazis und Kommunisten den Deutschen tief eingeprägt worden.<<

    nicht alles durcheinanderschmeißen. westfeindschaft, ein regressiver antikapitalismus und antimoderne/anti-'materialistische' reflexe gehörten schon im 19.jh. zur ideologischen disposition der deutschen. sie wurden bereits um die revolutionszeit in den diskursen des national und teutomanisch gesinnten bürgertums und seiner ideologischen exponenten (arndt, fichte, jahn etc.) eingeübt und im ressentiment gegen die juden als den angeblichen 'drahtziehern' der westlich-kapitalistischen modernisierung gebündelt. im letzten jh.drittel fungierte der antisemitismus quasi als integrationsideologie der bürgerlichen milieus, als 'kultureller code', wie sh. volkov es genannt hat. und auch in seiner 'wissenschaftlichen' und eliminatorischen variante existierte er schon lange vor den nazis.
    der rassen- und vernichtungsantisemitismus musste den deutschen im ns nicht eigens 'eingeimpft' werden. man schloss vielmehr an bereits bestehende dispositionen an und überführte sie in einem komplizenschaftlichen gmeinschaftsunternehmen in die mörderische praxis.

    • CIRCLE
    • 09. November 2013 10:17 Uhr

    wie Sie schreiben, ist ein Mythos, der immer wieder verbreitet wird.

    Die Declaration of Independence (1776) ist individualistisch, und gerade Individualismus war es, der für die 68er in einem tief konformistischen Westdeutschland attraktiv war. Freedom, pursuit of happiness - das ist der Geist der mit den 68ern verknüpften Emanzipationsbewegungen. Die wiederum dem entsprachen, was in den 60ern an der US-amerikanischen Westküste geschah.

    Die Einflüsse gehen bis hin zur amerikanischen Kultur, von der die 68er-Generation z.B. Literatur und Musik aufgenommen hat: Mein Großvater, in jeder Hinsicht alles andere als ein 68er, sprach abfällig von "Negermusik" (ich schäme mich, dieses Wort selbst in Anführungszeichen niederzuschreiben).

    >>Antisemitismus, Antiamerikanismus und Antikapitalismus sind durch Nazis und Kommunisten den Deutschen tief eingeprägt worden. Selbst die 68er, die gegen die braune Gesinnung antreten wollten, waren am Ende durch ihre antikapitalistische und antiamerikanische Ideologie auch antisemitisch.<<

    Ja, ja, die Kommunisten, bei denen nicht wenige jüdischer Herkunft eine führende Rolle spielten, haben maßgebend den Antisemitismus „den Deutschen tief eingeprägt“. Und wer einer „antikapitalistischen und antiamerikanischen Ideologie“ anhängt, wird unvermeidlich am Ende antisemitisch.

    Wieso eigentlich? Sind Kapitalisten und US-Amerikaner jüdisch dominiert, wenn nicht genuin jüdischen Ursprungs?

    Figur des „strukturellen Antisemitismus“:
    >> den Juden wurde bekanntlich nicht nur Börsenschwindel und Geldgeierei angehängt. Sondern auch Jugendverderbnis, Verantwortlichkeit für moderne „dekadente Kunst und Unkultur“....... ,

    insbesondere aber Aufstachelung zum Klassenkampf und Kommunismus („jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung“).

    Dem gemäß müsste also auch der Antikommunismus eine Form des strukturellen Antisemitismus sein. Warum spielt das in diesem Konzept keine Rolle? Geht es letztlich nur darum, Kapitalismuskritik generell abwürgen, indem man eine unzureichende Version derer unter üblen Verdacht stellt, statt sie richtig zu stellen? <<
    http://de.wikipedia.org/w...
    Sehr lesenswert!

    1. "Antisemitismus, Antiamerikanismus und Antikapitalismus" sollten nicht in einen Topf geworfen werden, da Antisemitismus auf blankem Irrsinn beruht, während Antiamerikanismus und Antikapitalismus m.E. eher die hysterisch-übersteigerte Reaktion auf echte Probleme sind.

    2. Die Behauptung, Obiges sei "den Deutschen tief eingeprägt worden", mag vielleicht nicht de jure rassistisch im Sinn einer genetischen Determination sein, stempelt aber Deutsche kollektiv deterministisch ab, was ich Rassismus de facto bezeichne.

    der Ihren Art, lieber St.Expeditus, fügt der Antisemitismuskritik größten Schaden zu. Wer seine Kritik an Vorurteilen selbst auf Pauschalierungen, auf Vorurteile stützt macht sein wohlgemeintes Anliegen, was: Zahnlos, lächerlich!

    Wenn bei jedem Vorurteil, selbst in aller möglichen (Fehl-) Kritik Antisemitismus unterstellt wird, klingt das schwerlich seriös, wenn nicht sogar „antideutsch“.
    Ein allzu geschärftes Schwert wird schartig, wenn nicht stumpf.

    Wie können Sie zigtausende Opfer der Nazis in den KZs der SA, die Linken und Kommunisten, in einen Topf mit den Tätern werfen? Wie können Sie Hitlers Propaganda gegen den "Jüdischen Bolschewismus" und die Bücherverbrennungen der Werke des Juden Karl Marx unterschlagen? Nahezu alle Vorbilder der Linken sind Juden, auch Rosa Luxemburg. Wie können Sie bei Hitler von "Antikapitalismus" reden? Bei seinem Pakt mit Krupp und der deutschen Industrie? Warum vergessen Sie den "Vater des Antisemitismus", Martin Luther, und dessen Schrift "Von den Juden und ihren Lügen" von 1543? Immerhin hatte er dort das Töten der Juden und das Niederbrennen ihrer Synagogen gefordert, wie es 1938 geschah. Außerdem forderte er, ihren Rabbinern das Lehren bei Androhung der Todesstrafe verbieten. Man solle sie wie Zigeuner in Ställen und Scheunen wohnen lassen. Übrigens: auch rund 500.000 Roma und Sinti fielen den Nazis in ihren KZs zum Opfer. Daran darf man heute auch erinnern...

    Antikapitalismus = Antisemitismus?!

    Positiv ausgedrückt hieße das
    Juden= Kapitalisten=Kapital!
    Schon in die eigene Falle gelaufen.

    • Tubus
    • 09. November 2013 17:40 Uhr

    "Hitlers "amerikanisches Finanzjudentum" ist leider heute in den Köpfen weitverbreitet - auch dank der Medien!"

    Das gibt ja nun wirklich nicht!

    Leider ist die Judenfeindlichkeit auch im Christentum verbreitet. Christen sollten einmal den Paulusbrief an die Roemer lesen und zwar Kapitel 11. Warum halten so viele, die sich Christen nennen, so wenig von der Bibel?
    Christen vertrauen mehr dem was Menschen von sich geben, wie dem was die Bibel von sich gibt. Leider wird die Bibel nicht als Masstab fuer das gebraucht, was Medien, Politiker, christliche Institutionen und deren Leiter von sich geben. Der Jude Paulus schrieb:" Pruefet Alles am Wort Gottes und behaltet das Gute. " Er schrieb im Roemerbrief, Kapitel 11, dass Gott die Juden nicht verstossen hat und dass Er sie am Ende retten wird . "Am Ende wird ganz Israel gerettet ".

    • Laird
    • 10. November 2013 12:50 Uhr

    "Antisemitismus, Antiamerikanismus und Antikapitalismus sind durch Nazis und Kommunisten den Deutschen tief eingeprägt worden."

    Vielleicht geht es nich nur mir so, wenn ich solche plumpen Versuche als jämmerlich empfinde, einen angeblich gesellschaftsfähigen Antisemitismus zu instrumentalisieren.

    Wer also Kritik am israelischen Staat, an den verheerenden Auswirkungen des ungezügelten Kapitalismus und der antiliberalen Haltung der us-amerikanischen Regierung übt, soll sich also im geistigen Erbe Stalins und Hitlers befnden?

    Wohl kaum. Es dürfte wohl eher umgekehrt sein. Denn es war und ist typisch für antidemokratisch denkende Menschen, andere Menschen nach ihrer vermeintlich falschen Gesinnung in Sippenhaft zu nehmen. Für Faschisten und Stalinisten reichte bereits aus, wenn ein Mensch kritisch dachte, sich den Dogmen nicht unterwarf und hinterfragte, um ihn als Abweichler und Störer zu brandmarken, zu verfolgen und auszugrenzen.

    Die Dogmen der heutigen Zeit listet St. Expeditus selbst auf: Keine Kritik an Israel, Kaptalismus als alleinige Heilsbotschaft und die USA als Garant der universellen Freiheit. Wer diese Dogmen nicht teilt, wird als "faschistischer Kommunist" - oder um eine ähnlich absurde Etikettierung zu verwenden: "Ökofaschist" gebranntmarkt und verunglimpft.

    St. Expeditus, spätestens mit Ihrer antiislamistischen Ausführung am Ende zeigen Sie, wer die eigentlichen Erben der antiliberalen Gesinnungsethik sind.

    ja, wenn
    >>Die moderne Judenfeindlichkeit in Deutschland<< über >>Antisemitismus, Antiamerikanismus und Antikapitalismus durch Nazis und Kommunisten den Deutschen tief eingeprägt worden ist.<<
    Was dann?

    Eine weitere Antwort auf diesen Kommentar siehe #205

  2. Argumentationen zum Nahost-Konflikt einfach einmal in ihren Schädel bekommen, dass es nicht "die Juden" sind, die Teile des palästinänischen Gebiets völkerrechtswidrig annektieren, sondern der Staat Israel.

    Fertig ist der Lack.

    Die Politik eines Staates auf die mehrheitliche Religionsgruppe desselben umzulegen ist gefährlich und dumm.

    Und dass Israel als Staat die Holocaust-Keule gerne mal aus dem Keller holt und sich ein paar unterseeische Aussichtsboote zu ergaunern steht wohl außer Frage...

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    die deshalb "auf dicke Hose" machen.

    Was in diesem Fall "genug" heißt kann sehr variieren und es kann auch eine sehr kleine aber "gut organiseirte" Minderheit sein, die aber:

    a) sehr medienpräsent ist

    b) darstellen kann, dass sie irgendwie Einfluss ausüben kann

    und

    c) meistens und trocken "weit weg vom Schuss" sind.

    Nehmen wir doch zu Beispiel die Augstein-Debatte, dass war für den "informierten dt. Beobachter" einfach nur lachhaft.

    Da kommt eine US Organisation an, die von den lokalen Verhältnissen hier in Deutschland keine Ahnung hat, sich dann einen "Dritte Liga" Journalisten als Quelle ranzieht und wenn man Ihr dann erklärt, "da habt ihr aber daneben gehauen", sich noch als mehr als rechthaberisch erweist.

    Wer dann anderseits den Politikbetrieb in den USA nicht so kennt, dem wird dass wohl wenig gefallen.

    Einerseits haben Sie Recht. Israels Bevölkerung ist sehr durchmischt, außerdem leben fast mehr Juden in anderen Ländern als in Israel (s. Wikipedia).

    Andererseits aber betonen die israelischen Politiker derzeit immer wieder gern, dass Israel als Staat der Juden zu verstehen sein soll. In den letzten Verhandlungen mit den Palästinensern wollten sie es sogar ausdrücklich in den Friedensvertrag aufnehmen. (ZEIT berichtete) Bei den derzeitigen Verhandlungen wird sicherlich Ähnliches zur Debatte stehen.

    Teile Israels verstehen daher jede Kritik oder Aktion gegen Israel automatisch als einen Angriff auf das Judentum.

    Selbst nach Deutschland reicht dieses Phänomen. Bei einem Seminar der hier im Artikel genannten Ebert-Stiftung wurde zwischen Antisemitismus und Israelkritik kaum differenziert. Ich persönlich kann den Befürchtungen um einen gewachsenen Antisemitismus deswegen noch keinen Glauben schenken und verlasse mich lieber auf die Aussagen der Kriminalstatistik.

    dass sie nicht jede Kritik an ihrem Staat mit angeblicher Judenfeindlichkeit mundtot machen können, gibt es keine Probleme mehr.

    "Und dass Israel als Staat die Holocaust-Keule gerne mal aus dem Keller holt "

    Und das ein beträchtlicher Teil der Kinder der von den Deutschen ermordeten und beraubten Juden in Israel wohnen?
    Sie finden auch nicht, dass man für Untaten Entschädigung zahlen sollte und Geraubtes zurückerstatten?

    Derart dümmliche Statements die man in den Internetforen massenweise findet, bestätigen die Überschrift des Artikels.

    Sie dürfen die Ursache für die Gründung des Staates Israel nicht unterschlagen. Es waren die Araber in der gesamten Region, die genauso bösartig wie die Europäer gegen ihre Jüdischen Minderheiten vorgingen.
    Darin finden Sie den Anlaß für die schaffung des Staates Israel.

    Daher ist die Neuordnung des Mittleren Ostens nach dem 1. Weltkrieg kein Unrecht gegen die Araber. Schließlich haben die 650 Mal soviel Territorium erhalten wie die Juden. Vielmehr ist auch diese Neuordnung, die mit dem Niedergang des Osmanischen Reiches und der Balfour Erklärung ihren Ausgang nahm wieder nur das allermindeste.

    Den Palästinaflüchtlingen ist von Jüdischer Seite aus kein großes Unrecht geschen. Ihre Situation wurde durch einen Krieg geschaffen, den die Juden und Israel nicht verursacht haben.

    In Deutschland herrscht die Vorstellung vor, daß es der Holocaust war, der zur Schaffung des Jüdischen Staates führte. Das ist grundfalsch, denn der Völkerbund hatte das bereits auf der Konferenz von Lausanne in den Jahren 1922/23 beschlossen.

    In Deutschland scheint man Gefallen daran zu haben, diesen Sachverhalt falsch darzustellen. Es scheint auch den Medien zu gefallen, ständig darüber zu berichten, wie schlecht es den sog. Palästinensern geht. Dabei fallen fast alle Übergriffe dieser Araber auf Juden unter den Tisch. Kaum je wird berichtet, wie reich die Führer der PLO und Fatah sind und wie märchenhaft Reich Yassir Arafat (ein Ägypter) zum Schluß war.

    Ihrer Argumentation hinkt etwas, da die illegale Besetzung palästinensischen Gebiets nicht von arabischen Israelis vorangetrieben hat, sondern vom jüdischen Bevölkerungsteil...insbesondere der ultraorthodoxen Juden (wie das aktuelle Siedlungsprojekt im Westjordanland zeigt)... die Juden haben im israelischen Staat die absolute Mehrheit und könnten (wenn sie es denn anders haben wollten) jeden weiteren illegalen Siedlungsbau stoppen - leider seit Jahren Fehlanzeige! Da hilft leider auch keine Kritik aus Europa oder wie zuletzt aus den USA... selbst UN Resolutionen werden seit Jahrzehnten ignoriert.

    Vor nicht all zu langer Zeit hat Nethanjahu mit seiner Koalition sogar von den Palästinensern verlangt, das sie Israel als jüdischen Staat anzuerkennen haben, wenn sie Frieden wollen.

    Weder gegen den illegalen Landraub, noch Nethanjahus Forderung nach einem jüdischen Staat Israel gab es einen nennenswerten Aufschrei in Israel oder von den Zentralräten in Europa... sowas wird dann natürlich von vielen als stillschweigende Duldung oder gar Unterstützung gedeutet... wäre umgekehrt doch genauso... was wäre in Israel los, wenn jüdische Gebäude besetzt, geschliffen und zB. durch arabische Wohnhäuser ersetzt werden würden und der jeweile Staat und dessen Bevölkerung dabei tatenlos zusehen würden?!?

  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf unangemessene Vergleiche. Die Redaktion/au

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    eh keinen. Wir hatten während der Grundausbildung 2 Juden in unserem Zug. Als wir erfuhren, dass sie Juden waren wurde das mit dem selben Interesse aufgenommen wie die Offenbarung dass jemand katholisch/evangelisch/konfessionslos war. Es hat einfach niemanden interessiert.
    Zurecht.

    Wenn man sich die Befragungen teilweiße anschaut, ist es auch kein Wunder, dass wegen Antisemitimus gewarnt wird. Wenn ein Bulgare, der einen deutschen Juden unter dem Video eines Brazilianers, das von einem Japaner gepostet wurde, beleidigt und das zum Antisemitismus in Deutschland beitragt, dann verwundert das nicht...
    http://www.zeit.de/gesell...

    Nach der Argumentation wäre man als Deutscher auch schwer diskriminiert, wenn man unter ein x-beliebiges Rammstein-video schaut und die Nazi-Debatte wieder aufflammt.

    "Sie (jüdische Mitbürger), rangieren bei mir auf der gleichen Ebene wie Adventisten, Scientologen oder Veganer !
    Macht mich mangelndes Interesse schon zum Antisemiten ? "

    Vielleicht nicht zum Antisemiten, aber Sie zeigen sich nicht nur intolerant sondern auch schlecht informiert.

    Unter den jüdischen Mitbürgern finden Sie Atheisten jüdischer Abstammung, Anhänger eines modernen und sehr aufgekärten jüdischen Glaubens, und nur eine kleine Minderheit Ultraorthodoxer (die, im Gegensatz zum Adventisten, zu mindestens nicht versuchen werden, Sie zu bekehren).

    Vielleicht sind mehr Juden unter ihren Bekannten, als Sie denken....

    • Henry44
    • 09. November 2013 9:36 Uhr

    um Vorurteile abzubauen.

    Das gilt für alle von Ihnen genannten Gruppierungen oder Religionen.

  4. Ich würde mal behaupten, dass Islamgläubige in unserer Gesellschaft was Diskriminierung angeht eindeutig schlimmer dran sind.

    Außerdem wüsste ich persönlich nicht mal wie ich Juden diskriminieren sollte. Ich kenne ja keinen. bzw. ich würde wohl gar nicht merken, wenn ich vor einem stehe. (ess sei denn, er wäre Othodox und dementsprechend gekleidet)

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    diskriminieren sollte."

    Ach, tun Sie doch nicht so harmlos. Sagen Sie einfach ein paar Worte zu Israels Rolle im Nahostkonflikt und Sie werden schon sehen.

    Auch Jakob Augstein behauptete in der Öffentlichkeit lange, dass er nicht judenfeindlich wäre. Henryk M. Broder deckte die wahren Verhältnisse dann aber schohnungslos auf...
    http://www.tagesspiegel.d...
    ... und dem Simon Wiesenthal Center blieb dann nichts anderes über, als Augstein auf die Liste der Top Ten Antisemiten der Welt zu setzten.
    http://www.zeit.de/gesell...

    Da hat er geguckt.

    Dass die Juden oder die Israelis die Geschichte für ihre Zwecke missbrauchen würden, ist mithin d e r Indikator für Antisemitismus.

    • perton
    • 09. November 2013 8:56 Uhr

    Im Übrigen verhält es sich in Israel auch nicht anders in Sachen Rassismus. Es ist ein Trend, der in der ganzen Welt zu beobachten ist.
    Ich erinnere noch an die Aussage von Ralph Giordano (ein Jude): "Der Islam ist das Problem".

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    Selbstddarsteller und "Dampfplauderer".

    Nur weil jemand, etwas sagt muss es nicht unbedingt wahr sein, es kann auch nur in seinen "persönlichen Kram" passen.

    Solche und andere Aussagen sollte man immer kritisch hinterfragen:

    "Warum erzählt Person xy sowas ?"

    • perton
    • 09. November 2013 9:02 Uhr

    Rassimus ist grundsätzlich gesellschaftsfähig geworden. In Russland, Frankreich, Deutschland oder eben auch in Israel wird gegen Minderheiten gehetzt.

    http://www.youtube.com/wa...

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  5. eh keinen. Wir hatten während der Grundausbildung 2 Juden in unserem Zug. Als wir erfuhren, dass sie Juden waren wurde das mit dem selben Interesse aufgenommen wie die Offenbarung dass jemand katholisch/evangelisch/konfessionslos war. Es hat einfach niemanden interessiert.
    Zurecht.

    Wenn man sich die Befragungen teilweiße anschaut, ist es auch kein Wunder, dass wegen Antisemitimus gewarnt wird. Wenn ein Bulgare, der einen deutschen Juden unter dem Video eines Brazilianers, das von einem Japaner gepostet wurde, beleidigt und das zum Antisemitismus in Deutschland beitragt, dann verwundert das nicht...
    http://www.zeit.de/gesell...

    Nach der Argumentation wäre man als Deutscher auch schwer diskriminiert, wenn man unter ein x-beliebiges Rammstein-video schaut und die Nazi-Debatte wieder aufflammt.

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    Antwort auf "[...]"
  6. leider kann man Diskriminierung in der ganzen Welt feststellen ein Grund ist wohl immer Schuld bei anderen zu suchen",die Liste der betroffenen ist lang,so lang das hier die Zeilen dafür nicht ausreichen. Abhilfe oder zumindest zu verringern hat etwas mit Bildung und Zukunft Chancen zu tun.

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