Der britische Geheimdienst betreibt auf dem Dach der Botschaft Großbritanniens im Berliner Regierungsviertel möglicherweise einen Abhörposten. Das berichtet die Zeitung Independent. Sie beruft sich dabei auf Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden sowie Luftaufnahmen und weitere Informationen über frühere britische Spionageaktivitäten in Deutschland. Auf dem Grundstück der Botschaft befinde sich ein zylinderförmiges Bauwerk, das Abhörstationen ähnlich sehe. Die zeltähnliche Vorrichtung sei von der Straße aus nur schwer erkennbar, schreibt die Zeitung.

Beweise für die Vermutung legte die Zeitung nicht vor. In den Snowden-Dokumenten, die der Independent nach eigenen Angaben eingesehen hat, heißt es, der britische Geheimdienst GCHQ nutze ebenso wie die NSA die eigenen Botschaftsgebäude, um zu spionieren. "Das Equipment zur Datensammlung auf einem Gebäude ist versteckt, um keine SIGINT-Aktivitäten zu verraten", zitiert die Zeitung aus einem NSA-Papier, dass die Spionage-Operationen allgemein beschreibt.

Auf den Aufbau auf der britischen Botschaft hatten andere schon vor mehr als einer Woche hingewiesen.  

Die britische Botschaft liegt an der Wilhelmstraße in der Nähe des Brandenburger Tors und des Reichtags. Das Gebäude wurde 2000 eröffnet. 

Die Botschaft ist bereits seit Beginn des NSA-Überwachungsskandals im Juli verstärkt im Visier der deutschen Spionageabwehr. Eine beim zuständigen Bundesamt für Verfassungsschutz gebildete Sonderarbeitsgruppe beschäftige sich auch mit Lauschattacken von britischen und französischen Nachrichtendiensten, sagte eine Sprecherin. "Es werden alle Hinweise geprüft." Befreundete Nachrichtendienste würden aber nicht systematisch beobachtet, sondern "nur, wenn es Anhaltspunkte gibt".

In unregelmäßigen Abständen überflögen die Verfassungsschützer seit Langem alle Botschaften in Berlin mit Hubschraubern, um Hinweise auf eine Spionagetätigkeit zu entdecken. Aber selbst wenn Antennen entdeckt würden, könne meist nicht festgestellt werden, welchem Zweck sie dienten, hieß es. Zudem gebe es keine Handhabe für die deutschen Sicherheitsbehörden, Botschaften zu durchsuchen: Sie gelten rechtlich nicht als deutsches Staatsgebiet.

Auch die Deutsche Botschaft der USA soll laut einem Bericht des Spiegels als Horchposten dienen. Spähaktionen des US-Geheimdienstes NSA in Deutschland und das weltweite Sammeln von Kommunikations- und Internetdaten durch den Dienst belasten seit Monaten das Verhältnis beider Staaten zueinander. Zuletzt war bekannt geworden, dass die Spione auch ein Handy der Bundeskanzlerin überwachten.