Koalitionsgespräche : Deutsche Wirtschaft hält nichts von der Frauenquote

Nicht machbar, wenig sinnvoll: In der deutschen Wirtschaft hält man nichts von der Frauenquote, die Union und SPD einführen wollen.

Die deutsche Metallbranche hält die von Union und SPD geplante Frauenquote in Aufsichtsräten für wenig praktikabel. Nach Einschätzung von Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger ist ein Frauenanteil von 30 Prozent in den Kontrollgremien für viele Betriebe der Metall- und Elektroindustrie kaum einzuhalten.

"Der Frauenanteil unter den Ingenieurabsolventen aller Fachrichtungen liegt bei rund 20 Prozent, bei den Ausbildungsberufen liegt der erste Metall- und Elektroberuf bei Frauen auf Platz 50", sagte Dulger der Rheinischen Post. "Eine verbindliche Quote bei den Aufsichtsräten wird den Betrieben, die dringend mehr Frauen für die technischen Berufe suchen, wenig helfen."

Auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, wandte sich gegen die Quote. Er könne kein Augenmaß erkennen, wenn Unternehmen ohne Rücksicht auf unterschiedliche Gegebenheiten zu einer starren Frauenquote in ihren Aufsichtsräten gezwungen würden. "In manchen Branchen sind – wenn überhaupt – nur 20 Prozent der Beschäftigten weiblich", sagte Wansleben der Passauer Neuen Presse. "Wie soll denn hier eine Quote von 30 Prozent sinnvoll umgesetzt werden?"

Dagegen sagte SPD-Vize Manuela Schwesig, die Frauenquote werde die Unternehmenskultur in Deutschland verändern. "Ich bin froh, dass mit einer gesetzlichen Frauenquote die 90-Prozent-Männer-Quote in Aufsichtsräten endlich abgeschafft wird", sagte sie der Rheinischen Post.

In den schwarz-roten Koalitionsgesprächen hatte sich eine Arbeitsgruppe von Union und SPD darauf verständigt, dass Frauen von 2016 an mit einem Anteil von mindestens 30 Prozent in den Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen vertreten sein sollen. 

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