Der Mindestlohn muss nach Ansicht der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) die von der großen Koalition anvisierten 8,50 Euro übersteigen. Gewerkschaftschefin Michaela Rosenberger kritisierte die geplante Summe als nicht ausreichend. "Das ist immer noch ein niedriger Lohn, der es kaum ermöglicht, von seiner Hände Arbeit zu leben", sagte sie der Bild. Die NGG vertritt rund 200.000 Mitglieder aus der Lebensmittelindustrie, von Tabakherstellern, Fleischproduzenten und aus Gaststätten.

Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, hatte bereits vor dem Jahreswechsel einen höheren Mindestlohn verlangt. Dieser müsse rasch auf zehn Euro ansteigen.

Im Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD auf Drängen der Sozialdemokraten vereinbart, dass 8,50 Euro pro Stunde ab spätestens 2017 verpflichtend als Lohnuntergrenze gelten sollen. Während die SPD Ausnahmen vom Mindestlohn weitgehend ablehnt, drängen die Wirtschaft und auch maßgebliche Unionsvertreter genau darauf. CSU-Chef Horst Seehofer hatte schon vor Weihnachten Sonderregelungen für Saisonarbeiter, Praktikanten und Rentner gefordert.

Die NGG-Vorsitzende Rosenberger wies Befürchtungen zurück, ein Mindestlohn könne zu Arbeitsplatzverlusten führen. Mögliche Stellenstreichungen wegen des Mindestlohns lägen im verfehlten Geschäftsmodell einzelner Arbeitgeber begründet, sagte Rosenberger. In Nachbarländern, wo es den Mindestlohn bereits gebe, habe es keine großen Arbeitsplatzverluste gegeben. "Sie haben positive Erfahrungen mit dem Mindestlohn gemacht, sonst wäre er längst abgeschafft", sagte Rosenberger.