Udo Pastörs im Februar 2013 © Florian Schuh/dpa

Lübtheen in Mecklenburg, ein sommerlicher Sonntagnachmittag vor sechseinhalb Jahren. Auf dem Kirchplatz des 5.000-Einwohner-Städtchens macht die NPD Wahlkampf. Eine Blaskapelle spielt Rosamunde, auf einer Hüpfburg tollen Kinder, Frauen in wallenden Kleidern stehen an Klapptischen und verteilen Kuchen.

Die freundliche Fassade reißt, als ein Mann ans Mikrofon tritt. Er beginnt noch launig, aber schon nach ein paar Minuten bellt er regelrecht: "Ich verspreche Ihnen: In zehn bis 15 Jahren machen wir uns frei von diesem Gaunerstaat. Dann bestücken wir unsere Besen mit Eisenborsten und fegen die Mächtigen aus den Ämtern."

Damals, im Juni 2006, betrat Udo Pastörs die politische Bühne. Ein paar Wochen später zog er als NPD-Fraktionschef in den Schweriner Landtag ein. Seit diesem Wochenende ist er Vorsitzender der rechtsextremistischen Partei. Mit ihm an der Spitze zeigt die NPD ihr Gesicht wieder ungeschminkt.

Apfel mit "Kümmererpartei" gescheitert

Pastörs folgt auf Holger Apfel, der kurz vor Weihnachten nach nur zwei Jahren als NPD-Chef zurückgetreten ist. Offiziell aus Krankheitsgründen, in Wahrheit aber, weil ihm intern vorgeworfen wurde, zweimal junge Kameraden sexuell belästigt zu haben. Ob die Vorwürfe stimmen oder Teil einer Intrige sind, ist nach wie vor unklar.

Apfel war innerparteilich jedenfalls heftig umstritten. Er wollte der Partei ein weicheres Image verpassen, offene Hitler-Verehrer hinausdrängen, eher patriotisch als nationalistisch auftreten und die NPD als "Kümmererpartei" für sozial Schwache präsentieren. Doch die von ihm versprochenen Wahlerfolge blieben aus und am radikalen Rand lief Apfel das Fußvolk aus den militanten Neonazi-Kameradschaften davon. Schon lange vor seinem Rücktritt machten deshalb in der Partei Putschgerüchte die Runde.

Freitagabend hat der NPD-Bundesvorstand nun Udo Pastörs zu Apfels Nachfolger bestimmt, die offizielle Wahl auf einem Parteitag steht noch aus. Der 61-Jährige soll die NPD in ihr seit Langem wichtigstes Wahljahr führen: Im Mai will sie zumindest mit ein, zwei Abgeordneten ins Europaparlament einziehen, danach stehen in den für sie wichtigen Bundesländern Sachsen, Thüringen und Brandenburg Landtagswahlen an.

Pastörs galt als zu radikal

Pastörs, geboren im nordrhein-westfälischen Wegberg, ist – wie er es vor Jahren bei einer Vorstellungsrede auf einem NPD-Parteitag formulierte – "seit jungen Jahren der nationalen Sache engstens verbunden". Er war Mitglied der 1994 verbotenen neonazistischen Wiking-Jugend, außerdem der Deutschen Liga für Volk und Heimat.

Zwischenzeitlich verdiente er als Geschäftsführer einer Goldhandelsgesellschaft ein kleines Vermögen. Der Stern berichtete vor ein paar Jahren, dass Pastörs zweimal die von Altnazis mitgegründete Siedlung Colonia Dignidad in Chile besuchte. In die NPD trat er erst vor gut zehn Jahren ein, um die Partei – wie er sagt – während des damals laufenden, ersten Verbotsverfahrens zu unterstützen.

Nach der Wiedervereinigung ging Pastörs nach Mecklenburg. Er ließ sich in Lübtheen nieder, 100 Kilometer südöstlich von Hamburg. Er sprach davon, eine völkische Mustersiedlung aufzubauen. Pastörs eröffnete ein Juweliergeschäft, trat als netter Geschäftsmann auf und als freundlicher Nachbar. Er engagierte sich in der Lokalpolitik. Und als sich 2005 eine Bürgerinitiative gegen einen Braunkohletagebau gründete, bot er seine Mitarbeit an. "Er trat auf als feiner, höflicher, gebildeter Mensch mit sehr gewählten Umgangsformen", erinnert sich einer der Initiatoren. Es dauerte eine Weile, bis sie merkten, dass sie es mit einem NPD-Mann zu tun haben.