Die Delegierten der Syrien-Friedenskonferenz haben ein erstes konkretes Ergebnis erzielt. Die Repräsentanten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad haben zugesagt, dass Frauen und Kinder in der seit Monaten von Regierungstruppen belagerten Großstadt Homs ab sofort das Kampfgebiet verlassen könnten. Das teilte der internationale Vermittler Lakhdar Brahimi am Abend mit.

Die weitgehend von Rebellen eingenommene Stadt im Westen Syriens wird seit Juni 2012 von der syrischen Armee belagert und beschossen. Tausende Zivilisten leben dort unter widrigen Bedingungen, häufig ohne ausreichend Nahrung und Medikamente. Am Samstag hatten sich die Konfliktparteien bereits darauf einigen können, als erste Maßnahme einen Korridor für Hilfslieferungen in die Stadt zuzulassen. Brahimi zufolge könnten die ersten Lastwagen mit Medizin und Nahrungsmitteln die Altstadt bereits an diesem Montag erreichen.

Bei den Gesprächen am Sonntag ging es auch um einen möglichen Gefangenenaustausch. Die Verhandlungen zwischen Regierungsvertretern und der Opposition seien jedoch sehr kompliziert, sagte Brahimi. Die erste Phase der Gespräche könnte sich bis Ende der nächsten Woche hinziehen. Mit schnellen Ergebnissen sei nicht zu rechnen.

Verhandlung über Lösung des Konflikts beginnt am Montag

Sollten sich beide Seiten auf einen Gefangenenaustausch einigen, dann wäre dies der erste zwischen den Konfliktparteien seit Beginn des Bürgerkrieges im Jahr 2011. Bisher hatte die Regierung nur politische Gefangene freigelassen, damit die Rebellen ausländische Geiseln gehen lassen, etwa aus dem Iran und dem Libanon. Diesmal sollen von den Rebellen verschleppte syrische Soldaten und Zivilisten freikommen, die dem Assad-Regime nahestehen.

Aus Sicht der Opposition sind der Gefangenenaustausch und die am Samstag besprochenen Hilfslieferungen für die Menschen in Homs nur Fragen, die nicht vom wichtigsten Etappenziel der Verhandlungen ablenken sollen – der Bildung einer Übergangsregierung. Der syrische Informationsminister, Omran al-Soabi, sagte dagegen: "Wir müssen die humanitären Fragen erst umfassend behandeln." Beobachter sehen darin einen Versuch des Regimes, Zeit zu gewinnen. 

Am Montag sollen erstmals konkrete Verhandlungen über eine politische Lösung des Konflikts beginnen. Die syrische Opposition fordert wie die Vereinten Nationen die Einrichtung einer Art Übergangsregierung. Die Regierungsdelegation lehnt dies als Versuch ab, Assad aus dem Amt zu drängen.