Die ukrainischen Oppositionsführer haben in einem stundenlangen Krisengespräch mit Präsident Viktor Janukowitsch kaum Fortschritte erreicht. Das Gespräch habe wenig gebracht, sagte der frühere Boxweltmeister Vitali Klitschko den Demonstranten auf dem Unabhängigkeitsplatz in der Hauptstadt Kiew. Janukowitsch wolle die Opposition hinters Licht führen. Die Menge der Protestler reagierte mit Pfiffen und Buh-Rufen. Einige riefen: "Schande, Schande!"

Klitschko bat die seit Wochen in der Hauptstadt ausharrenden Demonstranten um Geduld und einen "Waffenstillstand". Gleichzeitig äußerte Klitschko die Sorge vor einer Eskalation. "Ich werde überleben, aber ich fürchte, dass es Tote geben wird. Davor habe ich Angst", sagte er.

Die Regierung habe zugesagt, etwa 100 festgenommene Demonstranten binnen drei Tagen freizulassen. "Ich hoffe, sie hält ihr Versprechen", sagte Klitschko. 

Unmittelbar vor dem Treffen mit Janukowitsch hatte Klitschko die Sicherheitskräfte aufgefordert, den "Terror gegen das Volk" einzustellen. Er rief die internationale Gemeinschaft zu stärkerem Druck auf. "Menschen kommen um, Aktivisten verschwinden, Verletzte werden aus Krankenhäusern entführt", sagte er.

Nach den Straßenschlachten mit mehreren Toten hatte die Opposition Präsident Janukowitsch eigentlich ein Ultimatum bis Donnerstagabend gestellt, um Neuwahlen auszurufen. EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle will in die Ukraine reisen, um in dem Machtkampf zu vermitteln.