Der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert Gates hat in einem Buch Präsident Barack Obama mangelnde Führung und Überzeugung beim Krieg der USA in Afghanistan vorgeworfen. "Der Präsident vertraut seinen Kommandeuren nicht, glaubt nicht an seine eigene Strategie und betrachtet den Krieg nicht als seinen eigenen", zitiert die Washington Post aus dem Buch. Obama sei "skeptisch, wenn nicht sogar regelrecht überzeugt" gewesen, dass seine Afghanistan-Strategie scheitern würde.

Obama habe nur das Ziel, die US-Truppen aus Afghanistan abzuziehen. "Für ihn geht es nur darum, herauszukommen", schreibt Gates in Duty: Memoirs of a Secretary of War (Pflicht: Memoiren eines Kriegsministers). Das Buch soll in der kommenden Woche erscheinen.

Gates hatte von 2006 bis 2009 dem republikanischen Präsidenten George W. Bush gedient. Der Demokrat Obama beließ ihn nach seinem Amtsantritt zunächst im Amt. 2011 ging der heute 70-jährige Gates in den Ruhestand. Seine Vorwürfe gegen Obama kommen überraschend, da US-Verteidigungsminister im Ruhestand sich Kritik an Präsidenten normalerweise verkneifen.

Bislang galt Gates als loyal. In ersten Kommentaren hieß es, Gates hätte angesichts solcher Vorhaltungen gegen den Präsidenten eher zurücktreten müssen, als jetzt nachzutreten.

Kritik auch an Bush

Gates wirft Obama laut der Washington Post auch vor, er hege eine Antipathie gegen den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai. Obama habe vor allem daran gezweifelt, dass die von ihm nach seinem Amtsantritt 2009 angeordnete Truppenverstärkung um rund 30.000 Soldaten zum Erfolg führe. Die USA und die NATO-Partner wollen ihre Soldaten bis Ende 2014 aus Afghanistan abziehen. Lediglich zu Ausbildungs- und Beratungszwecken sollen noch Truppen im Land bleiben.

Gates kritisiert neben Obama auch Bush, der nach den Terrorangriffen 2001 den Afghanistan-Einmarsch angeordnet hatte. Mit Blick auf den von Bush erhofften Wandel in dem Land schreibt Gates, seine Ziele seien "auf peinliche Weise ehrgeizig und historisch naiv" gewesen.