Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) im Gespräch mit Bundeswehrsoldaten in Afghanistan © Maurizio Gambarini/dpa

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will die Bundeswehr zu einem familienfreundlichen Unternehmen umbauen. "Mein Ziel ist es, die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland zu machen. Das wichtigste Thema ist dabei die Vereinbarkeit von Dienst und Familie", sagte die Ministerin der Bild am Sonntag. Die Truppe müsse Dienst- und Familienzeiten besser aufeinander abstimmen.

"Unsere Soldatinnen und Soldaten lieben ihren Beruf, aber sie möchten auch, dass ihre Ehen halten und sie ein glückliches Familienleben führen", sagte von der Leyen. Die Bundeswehr könne im "Wettbewerb um die besten Köpfe" mit den zivilen Arbeitgebern nur bestehen, wenn Teilzeit und Elternzeit selbstverständlich seien.

Nach dem Willen der Ministerin sollen Soldaten ganz selbstverständlich Teilzeitmöglichkeiten nutzen können. "Wer etwa in der Familienphase die Option einer Drei- oder Viertagewoche nutzt, muss weiter Karriereperspektiven haben", sagte von der Leyen. "Ich denke auch an Lebensarbeitszeitkonten, auf die Überstunden eingezahlt werden und von denen Freizeiten abgehoben werden können, sei es für die Betreuung von kleinen Kindern oder alter Eltern."

Versetzungssystem auf dem Prüfstand

Die häufigen Versetzungen der Soldaten will von der Leyen auf das Notwendige begrenzen. "Karriere bei der Bundeswehr darf im Regelfall nicht bedeuten: immer im Dienst und alle paar Jahre ein Umzug", sagte sie. Da die Lebenspartner der Soldaten häufig selbst berufstätig seien, trügen Versetzungen große Spannungen in die Familien.

"Ich werde mir das System der nahezu automatischen Versetzungen alle zwei bis drei Jahre genau ansehen", sagte von der Leyen. "Wenn jemand eine steile Karriere macht, dann geht das auch in großen Wirtschaftskonzernen nicht ohne häufige Positions- und Ortswechsel. Aber die Frage ist, ob dies für die große Mehrheit der Soldatinnen und Soldaten immer sinnvoll ist."

Kinderbetreuung in Kasernen

Als eine der ersten Maßnahmen plant die Verteidigungsministerin den Ausbau der Kinderbetreuung in den Kasernen. "Wir brauchen ein flexibles System der Kinderbetreuung rund um die Bundeswehr", sagte von der Leyen. "Wir sollten gerade für die Betreuung in Randzeiten sehr viel stärker mit Tagesmüttern arbeiten. Denn das ist eine besonders flexible Form der Kinderbetreuung und wir haben den großen Vorteil, dass es in vielen Kasernen den Platz dafür gibt."

Viele Soldaten sind unzufrieden mit dem Zustand der Bundeswehr. Die Beschwerden der Soldaten über Missstände in der Truppe hatten 2013 einen Höchststand erreicht.