Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke © Bernd von Jutrczenka/dpa

Der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, hat die lange Dauer der Ermittlungen gegen den früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy mit der generellen Belastung durch Kinderpornografie-Fälle gerechtfertigt. "Es geht um Tausende von Fällen. Ich kann meine Mitarbeiter nicht klonen", sagte Ziercke in der ARD. "Wir haben viele Spezialisten. Aber gegen die Massen, die aus dem Internet auf uns zukommen, ist man letztlich machtlos."

Als im November 2011 eine Festplatte aus Kanada kam, die schließlich auf Edathy hinwies, habe das BKA gerade in einem anderen Verfahren harter Kinderpornografie mit 1.100 Beschuldigten ermittelt. "Jetzt gab es ein weiteres Verfahren mit 800 Beschuldigten, mit 500 Stunden Videoaufnahmen und 70.000 Fotos", sagte Ziercke. "Und jetzt muss man entscheiden: Bearbeitet man das eine oder das andere." Das BKA habe dann zunächst in Abstimmung mit der Generalstaatsanwaltschaft das Verfahren bearbeiten müssen, welches es zuerst begonnen hatte.

Edathys Name war am 15. Oktober 2013 aufgefallen, als die Polizei im niedersächsischen Nienburg Beweismaterial aus Kanada auswertete. Dabei ging es um ein Internetportal, bei dem kinderpornografische Filme und Bilder bestellt werden konnten. Eine Liste mit etwa 800 deutschen Kunden hatte das BKA schon knapp zwei Jahre zuvor erhalten.

Erst durch den Anruf eines Beamten aus Nienburg wurde deutlich, dass es sich bei dem Edathy auf der Liste um jenen Bundestagsabgeordneten handelte, der bis kurz zuvor den Untersuchungsausschuss zu den NSU-Morden geleitet hatte. Vorwürfe, man habe Informationen zu Edathy gezielt zurückgehalten, hatte das BKA als absurd zurückgewiesen.