Die Regierung Venezuelas hat ein Bataillon Fallschirmjäger nach San Cristóbal in den Westen des Landes geschickt. Dort hatten vor zwei Wochen Proteste gegen die hohe Inflation, die Korruption und Kriminalität begonnen. Die Soldaten sollten die Zugänge zur Hauptstadt des Bundesstaats Táchira sichern, sagte Innenminister Miguel Rodríguez.

Bei Protesten von Studenten und Oppositionsanhängern in San Cristóbal und anderen Städten gab es zuletzt immer wieder Zusammenstöße mit Polizisten. Mehrere Menschen wurden getötet. Der sozialistische Präsident Nicolás Maduro, der die Proteste als versuchten Staatsstreich bezeichnete, drohte mit der Verhängung des Ausnahmezustands in Táchira.

In der Stadt San Diego, etwa 170 Kilometer von der Hauptstadt Caracas entfernt, wurden bei Zusammenstößen mehr als 40 Menschen verletzt. Das berichtete der Bürgermeister und Oppositionspolitiker Enzo Scarano. Er sprach von einer "Feldschlacht". Die Polizei sei mit gepanzerten Wagen eingerückt. 

Oppositionsführer angeklagt

Bei Protesten in Caracas sollen laut Augenzeugen immer wieder auch bewaffnete Gruppen eingegriffen haben, die offenbar nicht zu den offiziellen Sicherheitskräften gehörten. So eröffneten in dem wohlhabenden Viertel Chacao bewaffnete Männer auf Motorrädern das Feuer auf Demonstranten, nachdem es zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen war. "Ich verstehe nicht, warum sie frei und ungestraft agieren können. Die Regierung muss diese Gruppen disziplinieren", sagte der Erzbischof von Caracas, Jorge Urosa, dem Fernsehsender Globovision.

Oppositionsführer Leopoldo López, der sich am Dienstag der Polizei gestellt hatte, wurde entgegen früherer Erwartungen nicht wegen Totschlags angeklagt. Dies hatte Präsident Maduro angedroht. Stattdessen werden López Brandstiftung sowie Anstiftung zur Gewalt und zur Sachbeschädigung vorgeworfen. Gegen den 42 Jahre alten Gründer der konservativen Partei Voluntad Popular war zunächst auch Haftbefehl wegen Totschlags erlassen worden. Einer seiner Anwälte sagte, López könne nun bis zu 45 Tage in Untersuchungshaft bleiben.

Präsident droht CNN mit Abschaltung

Präsident Maduro drohte dem US-Sender CNN mit der Abschaltung im Kabelnetz des Landes, sollte der Nachrichtenkanal seine aktuelle Berichterstattung über Venezuela nicht ändern. CNN habe ein 24-stündiges "Kriegsprogramm" und wolle der Welt zeigen, dass in Venezuela Bürgerkrieg herrsche. Ziel sei es, einen Eingriff der "Gringo-Armee" der USA in Venezuela zu provozieren, sagte Maduro.

Er habe Informationsministerin Delcy Rodríguez gebeten, CNN über die Einleitung eines entsprechenden Verfahrens zu informieren. "Genug der Kriegspropaganda. Wenn sie sich nicht korrigieren, dann raus aus Venezuela", sagte Maduro. Den "Faschisten von CNN" versicherte er, dass er noch viele Jahre an der Regierung sein werde. Voriges Wochenende hatten die Behörden den kolumbianischen Sender NTN24 wegen angeblich manipulativer Berichte über die Proteste aus dem Kabelnetz entfernen lassen.