Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel © Maurizio Gambarini/dpa

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sieht zum Import von Erdgas aus Russland "keine vernünftige Alternative". In der Debatte über die Abhängigkeit Europas von russischem Öl und Gas werde fälschlicherweise so getan, als bestünden viele andere Möglichkeiten, sagte der Wirtschaftsminister bei einem Energieforum der Neuen Osnabrücker Zeitung. Dies sei nicht richtig.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor wegen des Konflikts mit Moskau um die Krim eine Reduzierung der Abhängigkeit von russischen Energielieferungen gefordert. "Es wird eine neue Betrachtung der gesamten Energiepolitik geben", sagte sie.

Gabriel warnte zugleich vor Panikmache und übergroßer Furcht vor einem eventuellen Lieferstopp Moskaus. "Selbst in finstersten Zeiten des Kalten Krieges hat Russland seine Verträge eingehalten", sagte der Minister.

Gemeinsame Werte festigen

Im Streit mit Russland um die Ukraine kann Europa aus Sicht von Gabriel beweisen, dass es "mehr ist als eine ökonomische Zugewinngemeinschaft von mutlosen Pfeffersäcken". Im Zweifel müssten Deutschland und die übrigen Staaten der Europäischen Union auch bereit zu sein, auf wirtschaftliche Vorteile in den Außenbeziehungen zu Russland so lange zu verzichten, bis Konflikte auf dem Kontinent wieder am Verhandlungstisch gelöst würden und die Sicherheit aller Nachbarstaaten gewährleistet sei, schrieb der SPD-Chef in einem Gastbeitrag für die Welt.

Es gelte nun, die Wertegemeinschaft des Westens wieder zu festigen - "nach innen, aber auch nach außen", schrieb Gabriel. "Wenn Kommentatoren autoritärer Staaten angesichts des europäischen Konflikts um die Integrität der Ukraine fast schon höhnisch darauf hinweisen, dass der Westen seine Werte immer nur so lange hochhalte, wie seine ökonomischen Eigeninteressen nicht berührt seien, dann darf uns das nicht gleichgültig sein."