Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat nach einem Besuch in der Ukraine eindringlich vor einer Ausweitung der Krise auf der Krim gewarnt. "Ich mache mir große Sorgen, dass der völkerrechtswidrige Versuch, 25 Jahre nach Ende des Kalten Kriegs international anerkannte Grenzen in unserer europäischen Nachbarschaft zu korrigieren, die Büchse der Pandora öffnet", sagte Steinmeier der Welt am Sonntag. Er frage sich auch, ob im Vielvölkerstaat Russland die möglichen Auswirkungen bis zum Ende durchdacht worden seien.

Zwar sei die OSZE-Beobachtermission für die Ukraine ein erster Schritt in Richtung Deeskalation. Doch die Situation vor allem in der Ostukraine sei "immer noch alles andere als stabil", sagte Steinmeier. Er drohte Russland mit weiteren Sanktionen. "Sollte Russland über die Krim hinausgreifen, werden wir in Europa einschneidende Maßnahmen beschließen, selbst wenn wir hierfür wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen müssen", sagte Steinmeier. Dennoch müsse Europa seine Politik gegenüber Russland so gestalten, "dass es nicht zu gefährlichen Automatismen kommt".

Steinmeier wies Kritik zurück, der Westen trete Russland nicht hart genug entgegen. "Ich kann in unserer Politik keine Schwäche erkennen", sagte er. "Es ist gut und wichtig, dass Europa und die USA in dieser Krise in enger Abstimmung handeln. Wir senden klare Botschaften, wir reagieren schnell und geschlossen."   

Russlands Handeln auf der Krim führte Steinmeier auch auf die Folgen des Endes der Sowjetunion zurück. "Vielleicht zeigt es den tief sitzenden Phantomschmerz, den einige in Moskau auch mehr als 20 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion immer noch empfinden", sagte er. "Was für viele die Befreiung vom kommunistischen Joch war, wird von manchen in Moskau ganz anders wahrgenommen."

Russland übernimmt ukrainische Stützpunkte

Ungeachtet der Sanktionen des Westens haben russische Truppen am Samstag zwei Militärstützpunkte und ein ukrainisches Marineschiff auf der Krim in ihre Gewalt gebracht. Bewaffnete mit gepanzerten Fahrzeugen feuerten Schüsse in die Luft, als sie den Fliegerhorst Belbek nahe Sewastopol in ihre Gewalt brachten.

Die Basis in der Stadt Nowofedorowka wurde ebenfalls schwer attackiert. Prorussische Demonstranten rissen die ukrainische Flagge herunter und hängten eine russische Flagge auf, anschließend stürmten sie das Gebäude und warfen mehrere Fenster ein. Vom Dach warfen ukrainische Militärs Rauchbomben. Nach Verhandlungen mit russischen Soldaten gaben sie aber auf.

Im Hafen von Sewastopol eroberten Bewaffnete eines der letzten ukrainischen Marineschiffe auf der Krim. "Informanten in Simferopol geben an, dass Milizionäre und russische Spezialkräfte die Slawutitsch unter ihre Kontrolle gebracht haben", schrieb ein Sprecher des Kiewer Verteidigungsministeriums auf seiner Facebook-Seite. Das Schiff war seit Tagen von der russischen Marine im Krim-Hafen von Sewastopol blockiert. Die Korvette hatte sich vom Dock entfernt, um einer Erstürmung zu entkommen.