Anti-Regierungsproteste in Caracas © Jorge Silva/Reuters

In Venezuela haben erneut mehrere Zehntausend Menschen gegen die Regierung von Präsident Nicolás Maduro protestiert. Nach einem friedlichen Marsch durch die Hauptstadt Caracas kam es wieder zu Ausschreitungen. Hunderte Demonstranten errichteten Barrikaden, steckten Autoreifen in Brand und warfen Steine auf Sicherheitskräfte. Diese setzten Tränengas ein. Knapp 20.000 Menschen folgten einem Aufruf der Studenten und der Opposition und zogen in vier Märschen zur zentralen Kundgebung im Stadtteil Chacaito. Auch in mehreren Städten der Provinz gingen laut Medienberichten erneut Tausende Menschen auf die Straße.

Präsident Maduro hatte über Karneval sieben freie Tage verordnet in der Hoffnung, dies würde die Menschen von weiteren Demonstrationen abhalten und eher an den Strand locken. "Glückseligkeit wird die Verbitterten besiegen", sagte Maduro im staatlichen Fernsehen. "Das venezolanische Volk hat gesiegt." Doch auch in anderen Städten des Landes, etwa in Valencia, Mérida oder San Cristóbal, hielten die Proteste an.    

In dem Versuch, die Demonstranten zu beschwichtigen, ordnete Maduro am Sonntag zudem an, in den staatlichen Supermärkten subventionierte Lebensmittel zu verkaufen. 

Auch ließ die Regierung 41 Demonstranten frei, die am Freitag bei gewalttätigen Protesten im wohlhabenden Osten der Hauptstadt festgenommen worden waren. Sie müssen nun innerhalb von 30 Tagen vor Gericht erscheinen. Andere Regierungsgegner, darunter Oppositionsführer Leopoldo López, blieben weiter in Haft.

Die Proteste richten sich gegen die grassierende Kriminalität, die Untätigkeit der Polizei, hohe Lebenshaltungskosten, die Wirtschaftskrise sowie die Zensur der Medien. Venezulea kämpft rund ein Jahr nach dem Krebstod von Präsident und Integrationsfigur Hugo Chávez mit massiven wirtschaftlichen Problemen. Seit mehr als zwei Wochen liefern sich Regierungsgegner und -anhänger sowie Sicherheitskräfte nahezu täglich Straßenschlachten. Dabei kamen bislang mindestens 18 Menschen ums Leben, mehr als 250 wurden verletzt.

Angesichts der gewaltsamen Proteste schalten sich nun auch die Vereinten Nationen ein. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon will sich in Genf mit dem venezolanischen Außenminister Elias Jaua treffen.

Solidaritätsbekundung aus Hollywood

Die Proteste in Venezuela waren auch ein Thema bei der Oscar-Verleihung in Hollywood. Der als bester Nebendarsteller ausgezeichnete US-Amerikaner Jared Leto wandte sich in seiner Dankesrede an die protestierenden in Venezuela und in der Ukraine. "An alle die Träumer da draußen, die sich das heute Abend an Orten wie der Ukraine und Venezuela ansehen: Wir sind hier, und während ihr darum kämpft, eure Träume wahr zu machen, das Unmögliche zu leben, denken wir heute Abend an euch", sagte Leto.

Seine Solidaritätsbekundung dürfte in Venezuela weitgehend ungehört verhallt sein. Erstmals seit Jahrzehnten wurde die Verleihung nicht vom Privatsender Venevision übertragen, sondern nur vom Kabelsender TNT, den sich viele Venezolaner nicht leisten können.