Straßenschlacht zwischen Demonstranten und Militärpolizei in São Paulo © Nacho Doce/Reuters

Wenige Wochen vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien gibt es in den beiden größten Städten São Paulo und Rio de Janeiro neue Gewalt. In Rio kam es in der Nacht in der Armensiedlung Komplex Alemão zu gewaltsamen Straßenschlachten zwischen Polizei und mutmaßlichen Drogendealern. Die Randalierer hatten Busse angezündet und eine Gesundheitsstation geplündert. Angaben über Verletzte lagen zunächst nicht vor.

In einer anderen Favela im Norden von Rio de Janeiro kam es während einer Demonstration gegen den Tod einer älteren Anwohnerin zu Ausschreitungen. Die Frau war in eine Schießerei zwischen Polizisten und mutmaßliche Bandenmitglieder geraten und von einem Blindgänger getroffen worden. Am Dienstag wurde das Opfer bestattet. Auch hier brannten Busse und Straßen wurden blockiert.

In der elf Millionen Einwohner zählenden Metropole São Paulo ging die Polizei mit Wasserwerfen und Tränengas gegen rund 1.000 Demonstranten der Obdachlosenorganisation Sem Teto (Ohne Dach) vor. Die Proteste in dem WM-Spielort richteten sich gegen Verzögerungen beim Bau neuer Wohnungen und anderer Projekte in der Metropolregion. Nach Angaben der Stadtverwaltung fehlen rund 700.000 Wohnungen.

Hintergrund der Ausschreitungen ist eine rigide Sicherheitsoffensive vor der Fußball-WM, die am 12. Juni angepfiffen wird. Mit großen Aktionen von Polizei und Militär werden in den Favelas die Drogenbanden vertrieben. Bewohner klagen über ein brutales Vorgehen der Sicherheitskräfte. Immer wieder kommt es zu unschuldigen Opfern. Zudem wird das Problem von Kriminalität und Gewalt nicht gelöst, sondern nur in andere Stadtviertel verlagert.