Vorurteile in EU-Ländern

Das Googeln der Anderen

Ist Deutschland das bessere Schweden? Das fragen zumindest schwedische Google-Nutzer. Die Polen wollen wissen, warum Deutsche so wohlhabend sind. Viele Malteser hingegen interessiert, warum Deutschland so hässlich ist. Wir haben in allen 28 EU-Ländern den Test gemacht. Welche Begriffe werden von den jeweiligen Google-Nutzern mit Deutschland assoziiert? Und umgekehrt: Was googeln wir, wenn wir uns über unsere EU-Partner informieren wollen? Die Ergebnisse sind teilweise albern bis unverständlich, zumindest wenn man die jeweilige, nationale Kultur nicht kennt. Aber gleichwohl verraten sie viel über die Vorurteile und Klischees, die wir Europäer untereinander haben. Eine Auswertung finden Sie hier.

Zur Methode

Für den Klischee-Atlas hat ZEIT ONLINE Daten von Google Suggest zur automatischen Vervollständigung von Suchanfragen ausgewertet. Die Top 10 Ergebnisse für die Anfragen "Ist Deutschland …?", "Deutschland ist…" und "Warum ist Deutschland…" wurden in 21 EU-Sprachen und auf der jeweiligen landesspezifischen Google-Seite erhoben und übersetzt. Mit der deutschen Google-Suche wurden entsprechende Suchanfragen für alle anderen EU-Länder ausgewertet.

Google macht keine genauen Angaben, wie die Vervollständigung von Google Suggest zustande kommt: "Automatische Vervollständigungen werden algorithmisch anhand einer Reihe von Faktoren – zum Beispiel die Beliebtheit der Suchbegriffe – berechnet." Wer mit einem Google-Konto angemeldet ist, bekommt außerdem personalisierte Suchergebnisse angezeigt.

Bei der Erhebung gab es einige Hindernisse, die mit der Syntax der jeweiligen Sprachen zu tun haben. In den romanischen Sprachen ist die Satzstellung einer Frage identisch mit der eines Deklarativsatzes, also einer Aussage – eine Ausnahme ist das Französische. Auf Ungarisch und Bulgarisch wird das Verb für "sein" nicht so flektiert, dass man es von Google vernünftig vervollständigen lassen kann.

In den slawischen Sprachen hat die Ähnlichkeit des Verbs für "sein" mit den Worten für "Rezept" und "See" dafür gesorgt, dass die Ergebnisse vermuten ließen, Menschen aus Tschechien, Kroatien, Slowenien und anderen slawischsprachigen Staaten interessierten sich besonders für deutsches Essen und Badeurlaub an deutschen Seen. Außerdem haben sich einige eng verwandte Sprachen in den Ergebnissen vermischt, auch wenn Google über die jeweiligen Länderseiten abgefragt wurde: So geschehen zum Beispiel bei Dänisch und Norwegisch, oder Tschechisch und Slowakisch.