Seit Langem erwartet die internationale Gemeinschaft von Deutschland mehr Einsatz, auch aus Afrika hört man das: Nur Geberland und wichtiger Entwicklungspartner – das sei nicht genug.

Deshalb war nicht nur in den deutschen Medien die Aufmerksamkeit groß, als Bundespräsident Joachim Gauck forderte, Deutschland müsse künftig eine entscheidende Rolle in der Beilegung internationaler Krisen spielen. Und als die Regierung gleichzeitig ankündigte, sie werde eine neue Afrika-Strategie formulieren. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen weckte gar Erwartungen, Deutschland werde sich auch militärisch stärker in Friedenssicherungsmissionen auf dem Kontinent engagieren.

Doch längst ist klar: Alles bleibt, wie es ist.

Deutschland ist zwar die treibende Wirtschaftskraft Europas, aber es ist immer noch und immer wieder Frankreich, das die führende Rolle in Afrika einnimmt. Deutschland ist gefangen zwischen harten Interessen und weichen Werten, wenn es um sein Verhältnis zu Afrika geht. Das hat Konsequenzen: Die eine ist, dass Deutschland seinen Einfluss verliert und Gefahr läuft, als zahnloser Tiger wahrgenommen zu werden. Die andere: Es verliert die Verbindung zu einem Kontinent mit großem Potenzial.

Polizist Afrikas

Afrika hat in den vergangenen Jahren bedeutende Konflikte erlebt: in der Elfenbeinküste, wo ein Präsident die Macht nicht abgeben wollte; in Libyen, wo das Land sich gegen einen langjährigen Diktator erhob; in Mali, wo militante Islamisten den Aufstand probten; und in der Zentralafrikanischen Republik, wo in dem sektiererischen Konflikt so viele Menschen starben, dass Hilfsorganisationen unaufhörlich ihre Schätzungen korrigieren mussten.

In allen vier genannten Konflikten hat Frankreich – unter zwei Präsidenten aus verschiedenen politischen Lagern – interveniert und damit sein Image als Polizist Afrikas unterstrichen.

In der Elfenbeinküste haben die Franzosen direkt eingegriffen und geholfen, den Frieden zu sichern und die Macht wieder dem rechtmäßigen Präsidenten zu übertragen. An der Intervention in Libyen, die Muammar al-Gaddafis Diktatur stoppte, war Frankreich maßgeblich beteiligt, Deutschland nicht.

Frankreich hat im vergangenen Jahr 5.000 Soldaten nach Mali geschickt, in eine frühere Kolonie also, um den Vormarsch der Islamisten zu stoppen. Diese hatten den Aufstand der separatistischen Tuareg-Bewegung genutzt und 2012 weite Gebiete im Norden des Landes erobert, bevor französische Truppen sie zurückdrängten.