Die afghanische Regierung wird nach Angaben eines Beraters des neuen Präsidenten Aschraf Ghani an diesem Dienstag das lange erwartete Sicherheitsabkommen mit den USA unterzeichnen. Auch das Truppenstatut-Abkommen mit der Nato werde dann unterschrieben, sagte Ghani-Berater Dauf Sultansoi nach der Vereidigung Ghanis. Damit würde der Weg frei für einen Nato-Militäreinsatz zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte über den Jahreswechsel hinaus. 

Der Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan läuft zum Jahresende aus. Der geplante kleinere Folgeeinsatz zur Unterstützung und Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte hängt ohne die Unterschrift des neuen Präsidenten in der Schwebe. Es sieht im Kern den Verbleib von etwa 10.000 amerikanischen Soldaten in Afghanistan nach 2014 – dem Ablauf der Frist für den US-Truppenabzug – vor. Dieses Kontingent soll zur Ausbildung der irakischen Sicherheitskräfte eingesetzt werden, aber auch im Antiterrorkampf helfen.

Der bisherige Präsident Hamid Karsai hatte sich geweigert, die Unterschrift unter die Verträge zu setzen und die Angelegenheit damit seinem Nachfolger hinterlassen. Daher hatte die Nato den Wechsel im Präsidentenamt, der sich über Monate zog, mit wachsender Ungeduld erwartet. Die USA dringen seit Langem auf die Unterzeichnung des Abkommens. 

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte Ghani zu seiner Amtseinführung gratuliert und gleichzeitig zur raschen Unterzeichnung der Sicherheitsabkommen aufgefordert. 

Der frühere Finanzminister und Weltbank-Experte Ghani wurde am Montag als neuer Präsident Afghanistans vereidigt. Er kündigte einen harten Kampf gegen Korruption an und rief die Taliban zu einem Friedensprozess auf. "Wir sind kriegsmüde. Unsere Botschaft ist eine Botschaft des Friedens", sagte Ghani. "Wir fordern die Taliban dazu auf, sich an politischen Gesprächen zu beteiligen." Seinen bisherigen Rivalen Abdullah Abdullah vereidigte Ghani wie vereinbart als Regierungschef.

Ungeachtet strenger Sicherheitsvorkehrungen detonierte kurz vor der Vereidigung Ghanis auf der Straße zum Kabuler Flughafen die Bombe eines Selbstmordattentäters. Die Polizei teilte mit, mindestens sechs Menschen seien getötet worden.

In der Provinz Paktia im Osten des Landes explodierte zudem eine Autobombe in der Nähe eines Regierungsanwesens, das kurz darauf von Bewaffneten angegriffen wurde. Wie Sicherheitsbeamte mitteilten, starben bei dem Feuergefecht sieben Taliban sowie vier Polizisten und zwei Zivilisten.