Der Zentralrat der Juden hat starke antisemitische Tendenzen in Deutschland beklagt. "Wir Juden haben einen schwierigen Sommer hinter uns", sagte sein Vorsitzender Dieter Graumann dem rbb Inforadio. "Wir haben Schockwellen von Judenhass gehabt, Synagogen sind angegriffen worden, jüdische Menschen sind bedroht worden." Es seien Dinge passiert, die die Juden heute in Deutschland für nicht mehr möglich gehalten hätten.

Am Rande von Demonstrationen gegen den Gazakrieg und Israels Politik hatten Protestierende im Sommer judenfeindliche Parolen gerufen. "Das Gefühl der Verunsicherung und die Sorge ist sehr stark", sagte Graumann. Im Internet würde weiter gegen Juden gehetzt. Es habe aber auch Gesten der Herzlichkeit gegeben.

Für Sonntag hat der Zentralrat zu einer Kundgebung gegen Antisemitismus am Brandenburger Tor eingeladen. Auf der Veranstaltung unter dem Motto "Steh auf! Nie wieder Judenhass!" wird unter anderem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprechen. Als Teilnehmer werden auch Bundespräsident Joachim Gauck , SPD-Chef Sigmar Gabriel und Vertreter anderer Religionen erwartet. Die Kundgebung sei eine Gelegenheit, gegen Antisemitismus einzutreten, sagte Graumann: "Wir wollen vermitteln, wer uns Juden angreift, greift alle an."

Der religionspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Franz Josef Jung (CDU), sagte, der Hass, der sich in den vergangenen Wochen gegen Juden gerichtet habe, sei beschämend und verstörend. "Wir müssen ein deutliches Zeichen dafür setzen, dass wir jegliche Aggression und Gewalt gegen unsere jüdischen Nachbarn ablehnen und geschlossen an ihrer Seite stehen", sagte Jung.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) rief zu einem nachhaltigen Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus auf, die trotz "unserer dunklen Geschichte des 20. Jahrhunderts immer wieder ihr hässliches Haupt erheben". Eine Großdemonstration sei zwar gut. "Aber wir müssen auch an den anderen 364 Tagen gegen Antisemitismus kämpfen", sagte Steinmeier den Ruhr Nachrichten