Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt © Fabian Bimmer/Reuters

Altbundeskanzler Helmut Schmidt sieht die Ukraine-Krise als ernsthafte Gefahr für den Frieden in Europa. "Zum ersten Mal seit dem scheinbaren Ende des Kalten Krieges taucht an Europas Horizont die Möglichkeit eines Krieges auf", schreibt Schmidt in der ZEIT: "Ich gestehe meine wachsende Besorgnis."

Der Mitherausgeber der ZEIT kritisiert die russische Führung dabei ebenso scharf wie die EU. Die gegenwärtigen Handlungen sowohl Wladimir Putins als auch der Europäischen Union und der Nato seien "geeignet, die Sicherheit beider Seiten erheblich zu gefährden".

Den Ernst der Lage vergleicht der ehemalige Bundeskanzler mit der Kuba-Krise von 1962, als der damalige sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow atomar bestückte Raketen auf Kuba stationierte. "Weil jene Raketen die Sicherheit der USA (...) entscheidend gefährdeten, geriet die ganze Welt an den Rand eines dritten Weltkrieges," schreibt Schmidt. 

Eine militärische Konfrontation à la Kuba-Krise ist denkbar

Eine ähnliche Situation befürchtet er auch heute: Tatsächlich gingen die Nordatlantische Allianz und die Russische Föderation einer militärischen Konfrontation à la Kuba-Krise entgegen, ohne sie zu wollen. "Weder Barack Obama noch Putin wollen Krieg, die Europäer wollen erst recht keinen Krieg – wohl aber müssen wir Angst vor dessen wachsender Wahrscheinlichkeit haben."

Nach Schmidts Einschätzung bietet die Kuba-Krise aber auch ein Vorbild für die Deeskalation der Lage. "Die Lösung der Kuba-Krise gelang, weil beide Seiten im Bewusstsein ihrer Verantwortung nachgegeben haben. Diese Lehre sollten die Diplomaten morgen und übermorgen beherzigen." Einen vollständigen Rückzug der Russen allerdings erwartet der Altbundeskanzler nicht: "Die Annexion der Krim (...) wird nicht rückgängig gemacht werden können."