Der russische Präsident Wladimir Putin hat an den Westen appelliert, sich bei der Diskussion über weitere Sanktionen gegen sein Land vom gesunden Menschenverstand leiten zu lassen. Er hoffe zudem, dass in einer normalen, zeitgemäßen Art und Weise miteinander umgegangen werde, sagte Putin der Nachrichtenagentur Interfax.

"Ich hoffe, dass sich der gesunde Menschenverstand durchsetzen wird", sagte Putin. "Und dass weder wir noch unsere Partner unter den gegenseitigen Strafmaßnahmen zu leiden haben."

Westliche Staaten und die ukrainische Regierung bezichtigen Russland einer militärischen Intervention in der Ostukraine. Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union beauftragten deshalb die EU-Kommission auf einem Sondergipfel am Wochenende mit der Vorbereitung neuer Sanktionen gegen Russland und drohten damit, diese binnen einer Woche zu verhängen. Die US-Regierung will mit der EU die neuen Strafmaßnahmen absprechen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigte weitere Strafmaßnahmen ungeachtet von Gefahren für die deutsche Wirtschaft. "Ich habe darauf hingewiesen, dass es natürlich etwas bedeuten kann auch für deutsche Unternehmen", sagte Merkel. "Was es bedeuten kann, wenn man in Europa ohne Folgen Grenzen verschieben kann und andere Länder sozusagen mit seinen Truppen angreifen kann, das ist aus meiner Sicht nochmal eine viel größere Gefahr als wenn jetzt zeitweise bestimmte Nachteile für die Wirtschaft zu akzeptieren sind", sagte sie.

Vorwurf der Ignoranz

Putin hielt den Europäern vor, direkte Angriffe der ukrainischen Armee auf Zivilisten in der Ostukraine zu ignorieren. Das ukrainische Militär ziele "direkt auf Wohngegenden", sagte er. "Unglücklicherweise ziehen viele Länder es vor, darunter auch europäische, dies nicht wahrzunehmen." Ziel der prorussischen Separatisten hingegen sei es, die ukrainische Armee zurückzudrängen und somit den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten.

Mit dem heutigen Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe in der weißrussischen Hauptstadt Minsk beginne ein sehr wichtiger Prozess direkter Gespräche, sagte Putin. An dem Treffen sollen Vertreter der Ukraine, Russlands sowie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) teilnehmen. Ob auch Vertreter der prorussischen Separatisten dabei sein würden, war nicht sicher.