Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnt Russland vor der Annexion einer Landverbindung zur Krim im Südosten der Ukraine. "Offenbar hat Russland Versorgungsschwierigkeiten auf der Krim", sagte Steinmeier der Märkischen Allgemeinen. Schließlich sei die völkerrechtswidrig annektierte Halbinsel für Russland nur aus der Luft oder über das Meer zu erreichen. 

"Es scheint also nicht ausgeschlossen, dass Russland versucht, Landverbindungen zu schaffen, mit denen die Versorgung der Bevölkerung auf der Krim von russischer Seite aus organisiert werden soll", sagte Steinmeier. Russische Landbrücken und Korridore wären aber ebenso völkerrechtswidrig und zu verurteilen wie die Annexion der Krim durch Russland.

Steinmeier wies darauf hin, dass prorussische Milizen in der vergangenen Woche im Südosten der Ukraine eine zweite Kampflinie um die Stadt Mariupol eröffnet haben. Die Lage habe sich noch einmal extrem verschärft. Es drohe eine "unmittelbare militärische Konfrontation zwischen der Ukraine und Russland", sagte Steinmeier. 

Nach Angaben eines ukrainischen Militärsprechers haben die Separatisten am Sonntag vom Land aus ein im Asowschen Meer fahrendes Schiff der Küstenwache mit Artillerie beschossen. Nähere Details nannte er nicht.

Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

In der weißrussischen Hauptstadt Minsk kommen heute erneut die Mitglieder der Ukraine-Kontaktgruppe zusammen. Knapp zwei Wochen nach dem jüngsten Gespräch der Vertreter der russischen und der ukrainischen Regierung sowie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) soll dieses Mal auch ein Angehöriger der Führung der Separatisten an den Verhandlungen teilnehmen.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko erhofft sich von den Unterredungen in Minsk konkrete Ergebnisse, sowohl über ein OSZE-Monitoring in der Ostukraine als auch über eine Feuerpause. Russlands Präsident Wladimir Putin sieht das Treffen als Möglichkeit, "diese Tragödie so schnell wie möglich zu beenden", wie die russische Agentur Ria Nowosti meldete.

Nach den Worten des russischen Außenministers Sergej Lawrow soll bei dem Treffen eine sofortige Waffenruhe angestrebt werden. Die ukrainischen Truppen müssten sich im Osten des Landes von den Stellungen zurückziehen, von denen aus sie zivile Ziele unter Beschuss nehmen könnten, sagte er. 

US-Senatoren verlangen Waffen für die Ukraine

In den USA hat sich der prominente republikanische Senator John McCain angesichts des russischen Vorgehens in der Ukraine erneut für Waffenlieferungen an die Regierung in Kiew ausgesprochen. Wenn die Lage vor Ort nicht unter Kontrolle gebracht werde, könne Russland auch zu einer Bedrohung für andere Länder in Osteuropa werden, sagte er dem TV-Sender CBS. "Dies ist kein Einfall, dies ist eine Invasion", sagte McCain. Es gehe um Hilfe zur Selbstverteidigung.

Ähnlich äußerte sich auch der Vorsitzende des Senatsausschusses für auswärtige Beziehungen, der demokratische Senator Robert Menendez. Die USA sollten die Ukraine mit Defensivwaffen ausrüsten, sagte er dem Sender CNN. "Es geht nicht länger um einige rebellische Separatisten, das ist eine direkte Invasion durch Russland. Das müssen wir als solches anerkennen", sagte Menendez.