Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) dringt auf ein rasches Hilfsprogramm der Europäischen Union für die notleidenden Flüchtlinge im Nordirak. Tausende, die vor den Kämpfern des "Islamischen Staats" (IS) geflohen seien, lebten in den Kurdengebieten auf der Straße. "Es bleiben nur noch acht Wochen Zeit, bevor der Regen und dann der Schnee kommen", sagte Müller der Welt. "Wenn nicht schnell etwas geschieht, werden Tausende diesen Winter nicht überleben. Das wäre eine Katastrophe – und eine Beschämung der Weltgemeinschaft."

Das Geld für die Hilfsorganisationen reiche nur noch sechs bis acht Wochen, dann müsse das Essen rationiert werden, sagte Müller. Der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker müsse die Hilfe für die Flüchtlinge zu einem Topthema machen. "Er muss einen Not-Flüchtlingskommissar beauftragen (und) sofort eine Flüchtlingssondermilliarde aus bestehenden Töpfen bereitstellen", sagte Müller. 

Deutschland unterstützt Müller zufolge ein Camp für vergewaltigte und gefolterte Frauen und Kinder. Frauen berichteten, dass Männer zu Hunderten von IS-Kämpfern erschossen wurden. "Hier findet ein Genozid statt", sagte Müller. "Wir müssten alle aufschreien."      

Auf die Frage, ob Deutschland den Opfern Zuflucht bieten sollte, sagte Müller: "Die Lösung liegt hier in der Region. Die Menschen wollen in ihrer Heimat bleiben."