Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat seit ihrem Vormarsch auf die Kurdenenklave Kobani mehr als 300 Dörfer im Umland unter ihre Kontrolle gebracht. Insgesamt seien 325 Ortschaften innerhalb der vergangenen beiden Wochen von der Miliz eingenommen worden, berichtete die der Opposition nahestehende syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Unabhängige Quellen gab es nicht.

Die IS-Miliz steht mittlerweile im Osten, Süden und Westen vor Kobani (Arabisch: Ain al-Arab). Im Norden grenzt die Enklave, die bislang von kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wird, an die Türkei. Die USA und ihre arabischen Verbündeten bombardierten IS-Stellungen in der Nähe der eingekreisten Stadt. Zwei Dörfer westlich und östlich von Kobani wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle am Dienstag angegriffen. IS-Kämpfer beschießen Kobani seit dem Wochenende wiederholt mit Artillerie.

Die Türkei zog angesichts des IS-Vormarschs auf Kobani Truppen an der Grenze zusammen. Die Streitkräfte hätten 35 Panzer in der Region aufgefahren, berichtete die regierungsnahe Zeitung Sabah. Die Panzer hätten 400 Meter von der Grenze entfernt Stellung bezogen.

Aufgrund der sich ständig ändernden Lage ist eine exakte Aufzeichnung der verschiedenen Positionen nicht möglich. © ZEIT ONLINE

Abstimmung in der Türkei

Die Regierung in Ankara legte am späten Dienstag dem Parlament eine Resolution für ein militärisches Eingreifen im Irak und in Syrien vor. An der Südgrenze der Türkei gebe es einen ernsthaften Zuwachs von Risiken und Bedrohungen, die die nationale Sicherheit wegen der jüngsten Entwicklungen in der Region bedrohten, zitierte die Nachrichtenagentur Anadolu aus der Begründung des Antrags, der von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu unterzeichnet worden sei. 

Die Zeitung Hürriyet schrieb ergänzend, das Mandat umfasse auch die Öffnung türkischer Militärbasen für ausländische Truppen. Über die Resolution soll am Donnerstag abgestimmt werden.

Rund 30 Kilometer südlich von Kobani haben IS-Kämpfer eine türkische Enklave umstellt. In diesem befindet sich ein Mausoleum, das von 36 türkischen Soldaten bewacht wird. Die Regierung in Ankara warnte, ein Angriff auf das Mausoleums-Gelände werde als Angriff gegen die Türkei gewertet.