Die Gruppierung Hooligans gegen Salafisten (Hogesa) will auch in Berlin und Hamburg auf die Straße gehen. Für den 15. November hat sie nach Behördenangaben in beiden Städten Demonstrationen angemeldet. Die Versammlungsbehörde prüfe, die Demo zu verbieten, sagte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU): "Der Rechtsstaat muss alle Mittel ausschöpfen, damit sich die neue Dimension von Straßenmilitanz, die wir in Köln erlebt haben, nicht wiederholt."

In Berlin haben die Hooligans eine Demonstration am Brandenburger Tor mit etwa 1.000 Teilnehmern angemeldet. Die Kundgebung in Hamburg soll auf der Sternschanze beginnen, dem Zentrum der linken und autonomen Szene. Dort würden vom Initiator 500 Teilnehmer erwartet, sagte ein Polizeisprecher. Im Internet hätten jedoch mehrere Tausend Menschen angekündigt, in Hamburg zu protestieren.

Der Verfassungsschutz hatte zuvor davor gewarnt, dass sich die gewalttätigen Krawalle von Hooligans und Rechtsextremisten in Köln wiederholen könnten. Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, sagte in Berlin: "Es besteht Anlass zur Sorge, dass sich die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Extremisten auf unseren Straßen weiter aufschaukeln." Der Konflikt in Syrien und dem Irak spiegele sich auch in Deutschland wider. Radikale Salafisten rekrutierten hier schon länger Kämpfer für die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Zu der Demonstration am Sonntag, die sich offiziell gegen radikalislamische Salafisten richtete, waren rund 4.800 Hooligans und Neonazis nach Köln gereist. Bei Straßenschlachten wurden fast 50 Polizisten verletzt und mehrere Polizeiautos demoliert. Die Deutsche Polizeigewerkschaft warnte vor weiteren gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Mit der weiterhin stark zunehmenden Zahl von Salafisten in Deutschland erhöhe sich auch das Rekrutierungspotenzial für den Dschihad, den sogenannten Heiligen Krieg, sagte Maaßen. Derzeit würden sich in Deutschland besonders gewaltbereite Tschetschenen verstärkt zum Salafismus hinwenden. "Die salafistisch beeinflussten Tschetschenen sind in Deutschland sehr aktiv, viele von ihnen sind besonders gewaltbereit", erklärte der Inlandsgeheimdienst. Am Wochenende hatte Maaßen gesagt, er befürchte einen Anstieg der Zahl der Salafisten in Deutschland auf 7.000 bis Jahresende.

Seit dem Sommer werbe auch die verbotene Kurden-Partei PKK in Deutschland verstärkt Kämpfer gegen den IS. Neben Dschihadisten reisten daher inzwischen zunehmend Kurden in die Kampfgebiete.

Jüngsten Zahlen zufolge sind zudem bis zu 1.800 radikale Islamisten aus Deutschland ausgereist, um sich dem IS im Irak und in Syrien anzuschließen. Etwa 150 von ihnen sind inzwischen zurückgekehrt.