Polizisten bewachen einen Eingang zum Parlament im kanadischen Ottawa. © EPA/Lukas Coch

Der beim Angriff auf das Parlament in Ottawa erschossene mutmaßliche Attentäter war den Behörden als hochgefährlich bekannt. Laut Medienberichten handelt es sich bei dem Mann um den 32-jährigen Kanadier Michael Z. Die Behörden hätten ihn als "hochgefährlichen Reisenden" eingestuft, berichtet die kanadische Zeitung The Globe and Mail. Demnach wurde ihm erst kürzlich der Pass entzogen. Wegen Raubes und Waffenbesitzes soll er 2003 zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden sein. Nach Angaben eines Regierungsvertreters war Michael Z. vor Kurzem zum Islam konvertiert.

Der Bewaffnete hatte am Mittwoch in der Nähe des Parlaments zunächst einen jungen Wachsoldaten schwer verletzt, der später starb. Dann stürmte er das Parlamentsgebäude, wo es zu einem Schusswechsel kam. Premierminister Stephen Harper, der sich zu dem Zeitpunkt im Gebäude aufhielt, wurde in Sicherheit gebracht. Der Angreifer wurde schließlich vom Sicherheitschef des Parlaments erschossen. Drei Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht.

Entgegen ersten Vermutungen handelte der Attentäter wohl allein. "Offenbar gab es nur einen Schützen", sagte der Bürgermeister von Ottawa, Jim Watson, dem Sender CNN. "Und der ist tot." Die Ermittlungen dauerten aber an. Zugleich wurden die meisten Polizeiabsperrungen in Ottawa wieder aufgehoben, nur das Parlament selbst blieb für die Öffentlichkeit gesperrt.

Vor dem Hintergrund einer möglichen Verbindung des Attentäters zu Islamisten sagte Verteidigungsminister Rob Nicholson, Kanada werde an seiner Militärstrategie festhalten. Das Land will sich an den von den USA angeführten Luftangriffen auf Stellungen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Irak und in Syrien beteiligen. Die Behörden gehen daher derzeit von einer erhöhten Anschlagsgefahr aus.

Entschlossen im Kampf gegen Terrorismus

Premierminister Harper kündigte ein entschlossenes Vorgehen gegen die Verantwortlichen der Attacke an. Kanada werde sich von derlei Angriffen "niemals einschüchtern lassen" und stattdessen die Anstrengungen im Kampf gegen Terrororganisationen "verdoppeln", sagte Harper. "Angriffe auf unser Sicherheitspersonal und unsere Regierungsinstitutionen sind naturgemäß auch Angriffe auf unser Land, unsere Werte, unsere Gesellschaft und auf uns Kanadier als freies, demokratisches Volk", sagte er in einer Rede an die Nation, die im Fernsehen übertragen wurde.    

US-Präsident Barack Obama sicherte Kanada in einem Telefonat mit Harper seinen Beistand zu. Der tragische Vorfall werde bei den Anstrengungen im Kampf gegen Terrorangriffe berücksichtigt, sagte Obama. Frankreichs Präsident François Hollande versicherte Kanada die Solidarität seines Landes. Der britische Premierminister David Cameron zeigte sich in einem Twitter-Eintrag bestürzt.

Australien erhöhte nach Angaben des Justizministeriums die Sicherheitsvorkehrungen im eigenen Parlament in Canberra. Premierminister Tony Abbott solidarisierte sich mit Kanada und versicherte der eigenen Bevölkerung, die Regierung werde alles tun, damit das Land sicher sei. Australien hatte das Anschlagsrisiko kürzlich auf hoch heraufgesetzt.