Ein Kämpferin der kurdischen Arbeiterpartei PKK © Ahmad Al-Rubaye/AFP/Getty Images

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) schließt im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) eine Unterstützung der kurdischen Arbeiterpartei PKK nicht mehr aus. "Ich weiß, welche Probleme die Türkei mit der PKK hat, aber zuzuschauen, wie die IS wichtige Grenzstädte einnimmt und sich immer mehr zu einer Bedrohung der weltweiten Sicherheit entwickelt, kann nicht die Lösung sein", sagte Kauder Spiegel Online. "Die Unterstützung von weiteren Gruppen schließe ich nicht aus. Aber das ginge sicher nicht gegen die Türkei, sondern nur mit ihr. Das gilt auch für eine Unterstützung der PKK."

Derzeit liefert Deutschland den kurdischen Peschmerga-Kämpfern Waffen und bildet sie daran aus, um ihren Kampf gegen den Vormarsch der IS-Kämpfer im Nordirak zu unterstützen. Lieferungen an die PKK, die in Deutschland verboten ist und von der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft wird, wurden bisher ausgeschlossen.    

Angesichts der Bedrohung durch den IS warb Kauder für eine Annäherung zwischen der Türkei und den Kurden. "Alle Seiten – auch die Türkei – sollten jetzt den Friedensprozess weiterführen. Damit wäre viel gewonnen", sagte er. "Die Hauptgefahr sind doch diese unmenschlichen IS-Terroristen."

Deutliche Kritik am Nato-Partner Türkei

Die Lage in der umkämpften Grenzstadt Kobani, einer Kurden-Enklave, ist der Grund dafür, dass nach einer vorsichtigen Annäherung der Konflikt zwischen der Türkei und den Kurden wieder ausgebrochen ist. Die Kurden werfen der Regierung in Ankara vor, Kobani im Kampf gegen den IS nicht beizustehen. Nach Ansicht der Kurden scheint es der türkischen Regierung ganz recht, dass die IS-Kämpfer Kurden töten. Das türkische Militär hatte vor wenigen Tagen PKK-Stellungen im Osten des Landes angegriffen.  

Kauder kritisierte das Nato-Land Türkei dafür hart. "Die Türkei hat meinen hohen Respekt für ihre Flüchtlingshilfe", sagte er. Aber es sei nicht hinnehmbar, dass die Türkei den IS-Nachschub über die türkische Grenze nicht unterbinde, dass den Kurden aus Kobani nach einigen Berichten die Flucht erschwert werde und dass offenbar unabgesprochen Stellungen der PKK bombardiert werden. "Darüber müssen wir dringend innerhalb der Nato mit unserem Partner reden", sagte Kauder. "Wir sind in einer Situation, die auch schnell zu Beistandspflichten der Nato führen kann. Und: Es stehen deutsche Waffensysteme an der Grenze zu Syrien."

US-Militär will Hunderte IS-Kämpfer getötet haben

Der Präsident der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak, Massud Barsani, forderte unterdessen mehr Hilfe des Westens im Kampf gegen den IS. Die internationale Gemeinschaft müsse ihre Unterstützung maximieren, damit Kobani nicht bald komplett von der Terrormiliz kontrolliert werde, sagte er der Bild. Die Kurden benötigten eine bessere, modernere Bewaffnung. "Wir brauchen Panzer, Artillerie, gepanzerte Mannschaftswagen und Antipanzerraketen", sagte Barsani.  

Bei Luftangriffen auf den IS nahe Kobani sind nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums bislang einige Hundert Extremisten getötet worden. "Es ist schwer, eine genaue Zahl zu nennen, aber wir glauben, dass wir mehrere Hundert IS-Kämpfer getötet haben", sagte Pentagonsprecher John Kirby. Auf welchen Zeitraum sich diese Schätzungen bezogen, sagte er nicht.

Binnen 48 Stunden seien 39 Luftangriffe geflogen worden, sagte Kirby. Dies sei die höchste Zahl seit Beginn der Bombardierungen durch die von den USA angeführte Koalition am 22. September. Durch die Angriffe könnten die IS-Kämpfer ihre Truppen nicht mehr wie gewünscht verschieben. Dies habe dazu geführt, dass die kurdischen Kämpfer am Boden wieder leicht die Oberhand über den IS gewonnen hätten. Kobani laufe allerdings nach wie vor Gefahr, an den IS zu fallen.