Er will Al-Kaida-Chef Osama bin Laden vor dreieinhalb Jahren erschossen haben. Der 38-Jährige Robert O’Neill, einst Angehöriger der US-Spezialeinheit Navy Seals, hat in einem Interview mit der Washington Post seine Identität preis gegeben. Seine Geschichte hatte O’Neill bereits 2012 dem Magazin Esquire erzählt – unter der Bedingung, dass sein Name nicht genannt werde.

O’Neill sagte, er habe sich wegen seiner drohenden Enttarnung durch Dritte entschlossen, in einer TV-Dokumentation aufzutreten. Die will der Fernsehsender Fox News in der kommenden Woche ausstrahlen. Ende Oktober hatte Fox News angekündigt, die Identität des Todesschützens von bin Laden zu enthüllen.

Der Washington Post sagte O’Neill, er habe an zweiter Stelle der Speerspitze gestanden, die in bin Ladens Versteck im pakistanischen Abbottabad eindrangen. Der Frontmann habe den Al-Kaida-Chef zunächst verfehlt. Bin Laden habe seine Händen auf den Schultern einer Frau gehabt, die er vor sich herschob, sagte O’Neill. Er habe den Al-Kaida-Chef durch seine Nachtsichtgläser identifizieren können und abgedrückt. Die Kugel haben bin Ladens Kopf getroffen.

Doch ob O’Neill bin Laden tatsächlich getötet hat, ist unklar. Ein früherer Kommandant der Spezialeinheit sagte, O’Neill habe erst auf bin Laden geschossen, als dieser bereits tot auf dem Boden lag. Mehrere Militärs sowie Mitglieder der Navy Seals geben an, dass ein unbekannter Soldat bin Laden erschossen habe, schreibt die New York Times. Dieser Soldat sei noch heute Mitglied der Navy Seals.

Bereits vor zwei Jahren hatte Matt Bissonette, der ebenfalls an dem Einsatz beteiligt, unter dem Pseudonym Mark Owen das Buch "No Easy Day" veröffentlicht. Darin behauptet Bissonette, dass ein Späher bin Laden zunächst in den Kopf geschossen habe. Anschließend hätte Bissonette, der an zweiter Stelle der Speerspitze gestanden habe, den Raum betreten und ebenfalls auf bin Laden gefeuert.

"Jeder könnte bin Laden erschossen haben", sagte ein früherer Elitesoldat der New York Times. Es sei nicht möglich, unabhängig zu überprüfen, wer tatsächlich der Todesschütze gewesen sei. Es wurde kein Video von der Nacht veröffentlicht. Ebenso wurde keine Autopsie durchgeführt. Die US-Regierung gab an, bin Ladens Körper auf hoher See bestattet zu haben.