In der von Bundespräsident Joachim Gauck angestoßenen Debatte über die Regierungsfähigkeit der Linken hat SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi zu mehr Gelassenheit aufgerufen. "25 Jahre nach dem Fall der Mauer ist es an der Zeit, die Linke zu akzeptieren als eine Partei, die Regierungsverantwortung auf Landesebene übernehmen kann", sagte sie der Bild-Zeitung. Zudem sei Bodo Ramelow, der Linke-Kandidat für das Amt des thüringischen Ministerpräsidenten, niemals Mitglied der SED gewesen.

Ähnlich äußerte sich auch der stellvertretende SPD-Vorsitzende in Thüringen, Carsten Schneider. "Mich verwundert Herrn Gaucks private Haltung nicht, aber als Bundespräsident sollte er demokratische Wahlergebnisse respektieren", sagte er den Kieler Nachrichten.

Der Linken-Spitzenkandidat Ramelow verhandelt in Erfurt mit der SPD und den Grünen über eine rot-rot-grüne Koalition. Er wäre der erste Regierungschef aus der Linkspartei in Deutschland. "Menschen, die die DDR erlebt haben und in meinem Alter sind, die müssen sich schon ganz schön anstrengen, um dies zu akzeptieren", sagte der Bundespräsident.

Zustimmung erhielt Gauck dagegen aus Kreisen der Union. "Für meine Begriffe hat sich der Bundespräsident noch sehr diplomatisch ausgedrückt", sagte CDU-Vize Volker Bouffier der Bild-Zeitung. Gauck komme aus der ehemaligen DDR und "weiß wovon er spricht", erklärte Hessens Ministerpräsident. "Er drückt ein Gefühl aus, dass die meisten beschleicht, wenn jemand aus der Nachfolgepartei der SED 25 Jahre nach dem Fall der Mauer Ministerpräsident in einem ostdeutschen Bundesland werden soll."

Gauck hatte in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin die Frage aufgeworfen, ob die Linke "tatsächlich schon so weit weg von den Vorstellungen (sei), die die SED einst hatte bei der Unterdrückung der Menschen hier, dass wir ihr voll vertrauen können".

Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt, stimmte Gauck ebenfalls zu. "Mir geht es genauso wie dem Bundespräsidenten. Ich tue mich sehr schwer mit der Vorstellung, dass im 25. Jahr des Mauerfalls die SED-Erben in Thüringen demnächst den Ministerpräsidenten stellen könnten", sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.