Der inhaftierte palästinensische Politiker Marwan Barghuti hat aus dem Gefängnis heraus die Palästinenserführung zur Unterstützung des bewaffneten Widerstands gegen Israel aufgerufen. Ein anlässlich des zehnten Todestages von Jassir Arafat geschriebener Brief des seit zwölf Jahren Inhaftierten wurde in der in Ramallah erscheinenden Tageszeitung Al Kuds abgedruckt.

"Den umfassenden und bewaffneten Widerstand zu wählen heißt, die Ideen und Grundsätze Arafats zu bewahren, für die Zehntausende als Märtyrer starben", schreibt Barghuti. Er ist der populärste Politiker der Fatah-Partei von Präsident Mahmud Abbas und gleichzeitig dessen Rivale. Barghuti ist einer der Initiatoren der zweiten Intifada, des Palästinenseraufstands von 2000 bis 2005. Von einem israelischen Gericht wurde er 2002 zu viermal lebenslänglich verurteilt.

In den vergangenen Wochen hatte es zahlreiche Zwischenfälle und Unruhen gegeben, die eine dritte Intifada befürchten lassen. Am Montag hatten Palästinenser eine junge israelische Siedlerin erstochen und weitere Israelis verletzt. Die Palästinenserführung hat bisher nicht eindeutig Stellung bezogen zu den jüngsten Angriffen.

Barghuti forderte in seinem Brief die Vergeltungsmaßnahmen, die Abbas mehrfach angekündigt, aber nie umgesetzt hatte. "Unsere Führung muss ihre Zurückhaltung aufgeben und auf der Stelle die Sicherheitskooperation beenden, die dem Besatzer nutzt", schrieb er. Die Sicherheitskräfte der palästinensischen Autonomiebehörde arbeiten eng mit Israel zusammen, um Selbstmordanschläge und Bombenattentate zu unterbinden.