Der frühere Kanzlerberater Horst Teltschik hat der Regierung von Angela Merkel (CDU) Planlosigkeit und Aggression im Umgang mit Russland und dessen Präsidenten vorgeworfen. "Ich frage mich bei der Kanzlerin immer, worüber sie mit Putin eigentlich spricht. Was bereden sie, wenn sie mit ihm telefoniert", sagte Teltschik der ZEIT. "Hat sie einen Ansatzpunkt, um aus dem Konflikt herauszukommen? Und wie stellt sie sich die künftige Zusammenarbeit mit Russland vor?"

Seine Sorge sei, dass "nun alles kaputtgemacht wird, weil man glaubt, den Russen um jeden Preis zeigen zu müssen, dass sie die Aggressoren sind und ihr politisches System für uns inakzeptabel ist", sagte Teltschik. Merkel müsse auf Wladimir Putin zugehen und ihm einen Vorschlag machen, "was bilateral oder auf der Ebene zwischen der EU und Russland oder zwischen der Nato und Russland ein Schritt sein könnte, um aus dem Schlamassel in der Ukraine rauszukommen", sagte der CDU-Politiker. "Sie muss ihm ein Angebot machen."

In Deutschland störten ihn die Tonlage und die Richtung der öffentlichen Diskussion. "Sie erschöpft sich weitgehend darin, Russland zu kritisieren und von Kaltem Krieg zu sprechen. Und mit Gegenmaßnahmen zu drohen, die wir nicht einmal im Kalten Krieg ergriffen haben", sagte Teltschik. Sanktionen seien falsch, weil sie die Bevölkerung träfen.

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Der Konflikt mit Russland um die Ukraine sei "nicht vom Himmel gefallen", sagte Teltschik. Schon 2006 bei der ersten Diskussion um eine Aufnahme der Ukraine in die Nato habe Putin gesagt, dass er dies nicht hinnehmen werde. "Das war auch der Bundeskanzlerin bekannt. Daher hätte man von Anfang an wissen müssen, dass jeder Schritt gegenüber der Ukraine sehr heikel ist", sagte Teltschik, der zu den engsten Beratern von Kanzler Helmut Kohl (CDU) gehörte.

Teltschik wehrte sich gegen Kritik an einem von ihm initiierten Aufruf zahlreicher Persönlichkeiten zu einem Dialog mit Russland. "Die Kritiker sollten sich an den Kalten Krieg erinnern und an die damals sehr konkreten Kriegsgefahren. Die Antwort der Nato lautete seit 1967: Sicherheit und eine Politik des Dialoges und der Zusammenarbeit sind die zwei Seiten der gleichen Medaille. Darum geht es auch heute", sagte er.