In der Affäre um den Hackerangriff auf das Filmstudio Sony provoziert die Regierung in Pjöngjang mit Kriegsdrohungen gegen die USA. Die 1,2 Millionen Mann starke Armee Nordkoreas werde "mutig zu unserem härtesten Gegenschlag gegen das Weiße Haus, das Pentagon und das gesamte amerikanische Festland" ausholen, teilte die Nationale Verteidigungskommission mit. Verbreitet wurde deren Stellungnahme von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA. Darin wurden die USA zudem als "Kloake des Terrorismus" bezeichnet.

Eine Verwicklung in den Hackerfall wies die Regierung in Pjöngjang in der Erklärung erneut zurück. Präsident Barack Obama verbreite vielmehr "frech" Gerüchte über eine von Nordkorea orchestrierte Attacke.

Die US-Regierung wirft der Führung in Pjöngjang vor, hinter der Cyberattacke zu stecken, die angeblich mit Sonys Film-Satire The Interview über ein fiktives Attentat auf Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Verbindung steht. Bei dem Hackerangriff waren zahlreiche hochsensible Mitarbeiterdaten sowie Drehbücher und anderes Material gestohlen worden. 

Nach Bombendrohungen gegen Kinobetreiber in den USA sagte Sony den für 25. Dezember geplanten Start des Films ab. Nordkorea hatte zuvor bereits mehrfach geäußert, den Film als beleidigend zu empfinden. Die Entscheidung von Sony, den Kinostart zu kippen, entfachte in den USA eine Grundsatzdebatte über die Meinungsfreiheit. Obama hatte Sony vorgeworfen, damit einen Fehler begangen zu haben.

Am Freitag hatte der US-Präsident eine "angemessene Reaktion" auf die Cyberattacke angekündigt, aber keine Details genannt. In einem zwei Tage später ausgestrahlten CNN-Interview brachte er dann eine Aufnahme Nordkoreas auf die US-Liste von Terror-Unterstützerstaaten ins Spiel.

Auf dieser hatte Nordkorea zwei Jahrzehnte lang gestanden, bis es 2008 im Zuge der Atomverhandlungen von der Bush-Regierung gestrichen wurde. Washington führt derzeit den Iran, Sudan, Syrien und Kuba auf der Liste. Konsequenzen sind unter anderem Beschränkungen der US-Entwicklungshilfe, der Rüstungsexporte und bestimmter Finanztransaktionen.

Einen Tag vor den martialischen Drohungen hatte die Führung in Pjöngjang den USA noch eine gemeinsame Untersuchung des Vorfalls vorgeschlagen. Das lehnt Washington aber ab. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates des Weißen Hauses sagte, die USA hielten an der Schlussfolgerung der Bundespolizei FBI fest, wonach Pjöngjang hinter der Attacke stecke.  

Nordkorea nimmt nicht an UN-Sitzung über Menschenrechte teil

Nordkorea hat seine Teilnahme an einer wegweisenden UN-Sicherheitsratssitzung abgesagt, bei der die vielfach kritisierte Menschenrechtslage in dem Land erstmals auf die Agenda kommen soll. Das Land warf den USA und deren Verbündeten vor, das Thema Menschenrechte als Mittel zu nutzen, um die nordkoreanische Führung zu stürzen.

Die Regierung von Machthaber Kim Jong Un steht unter Druck, seitdem eine UN-Untersuchungskommission in diesem Jahr in einem Bericht auf schwere Menschenrechtsverstöße in Nordkorea hinwies. In einer nicht bindenden Resolution bat das zuständige UN-Komitee den Sicherheitsrat im November daher darum, eine Strafverfolgung Nordkoreas vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag anzustrengen. In dem Papier wird außerdem zu gezielten Sanktionen aufgerufen.