Wladimir Putin – der jetzt zugibt, die Annexion der Krim, na klar, schon früh befohlen zu haben – hat sich mit seiner Aggression gegen die Ukraine strategisch wahrlich ins Knie geschossen. Und das gleich zweimal.

Zum einen hat er die Nato aus ihrer Sinnkrise befreit. Vor einem Jahr wusste die Allianz nicht recht, wie es nach dem Ende des Afghanistan-Einsatzes mit ihr weitergehen sollte; die Nato war drauf und dran, eine Allianz ohne Auftrag zu werden. Zum anderen hat Putin nun auch noch eine Diskussion ausgelöst, ob die EU nicht eine europäische Armee brauche.

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ist dieser Ansicht. So könne man Russland klarmachen, "dass wir es ernst meinen mit der Verteidigung der Werte der Europäischen Union". Die Gründung einer europäischen Armee hatte im Augenblick eigentlich niemand auf der Agenda, doch Ursula von der Leyen, Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel stimmten sogleich zu: Gute Idee!

Tatsächlich macht Europa auf dem langen Weg zu einer gemeinsamen Armee bereits die ersten Schritte: Die militärische Zusammenarbeit zwischen den europäischen Nato-Mitgliedern wird von Jahr zu Jahr enger.

Es gibt die 1989 gegründete Deutsch-Französische Brigade, die allerdings von Beginn an das Problem einer engen militärischen Verzahnung deutlich machte: Die Franzosen wollten die Brigade gern in Kampfeinsätze schicken, die Deutschen hielten davon nicht viel. Es gibt das Deutsch-Niederländische Korps in Münster, das in diesem Jahr die Führung in der Testphase der sogenannten Speerspitze übernimmt, jener sehr schnellen Eingreiftruppe, die der Nato-Gipfel in Wales im vergangenen September beschlossen hat.

Es gibt das Multinationale Korps Nordost in Stettin, in dem Polen, Deutsche und Dänen zusammenarbeiten. Es übernimmt eine immer größere Rolle beim Schutz der sich von Russland bedroht fühlenden baltischen Staaten. Und schließlich wollen die Bundeswehr und Polens Armee schon bald jeweils ein Bataillon den Streitkräften des anderen Landes unterstellen.

So eng sind die Armeen inzwischen miteinander verflochten, dass ein Einsatz allein immer schwieriger wird, in manchen Fällen schon heute unmöglich ist. Das wurde deutlich, als sich die Bundesregierung 2011 gegen eine Teilnahme an der Libyen-Mission entschied und damit die Aufklärung durch Awacs-Flugzeuge der Nato über dem Mittelmeer fast lahmlegte. Sicherheitsexperten sprechen von "multilateralen militärischen Verbundfähigkeiten": Kein Land kann sich aus den integrierten Verbänden zurückziehen, ohne damit die Verbündeten handlungsunfähig zu machen.