Im Schuldendrama um Griechenland wächst mangels greifbarer Fortschritte die Nervosität. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schließt eine Entwicklung mit einem am Ende unbeabsichtigten Austritt aus der Eurozone - einem sogenannten Graccident - nicht mehr aus. Der Verteidigungsminister des pleitebedrohten Eurolandes, Panos Kammenos, konterte, es wollten "einige uns regelrecht aus der Eurozone drängen".

Zugleich hielt Kammenos Schäuble seine Verwicklung in die CDU-Parteispendenaffäre vor. "Wir Griechen erinnern uns genau, dass Herr Schäuble sein Amt als Parteivorsitzender aufgeben musste, weil er in einen Fall von Bestechung verwickelt war. Aber er ist heute trotzdem Finanzminister", sagte der rechtspopulistische Politiker der Bild-Zeitung. "Bei aller Kritik an der Korruption in Griechenland ist es ja auch nicht so, dass Deutschland oder Herr Schäuble immer fehlerfrei waren", sagte Kammenos.

Mit seinem Vorwurf erinnerte der Gründer der rechtspopulistischen Partei Unabhängige Griechen (Anel) an Schäubles Rolle in der CDU-Parteispendenaffäre. Schäuble war im Februar 2000 von seinem Amt als CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzender zurückgetreten, weil er 1994 eine nicht ordnungsgemäß verbuchte Bar-Spende für die CDU entgegengenommen hatte.

Kammenos warf Schäuble außerdem vor, die Beziehungen zu Griechenland zu belasten. "Ich verstehe nicht, warum er sich jeden Tag in neuen Statements gegen Griechenland wendet. Das ist wie ein psychologischer Krieg und Schäuble vergiftet damit die Beziehungen zwischen beiden Ländern", sagte Kammenos. Auch wenn Schäuble ihn und Finanzminister Yannis Varoufakis nicht möge, müsse er "nun mal mit uns Vorlieb nehmen", denn sie seien gewählte Volksvertreter.

Tsipras verspricht in Brüssel Einhaltung der Zusagen

Nach Einschätzung von EU-Währungskommissar Pierre Moscovici käme ein sogenannter Grexit einer "Katastrophe" gleich. "Wenn ein Land diese Union verlässt, werden die Märkte umgehend die Frage stellen, welches Land als nächstes dran ist, und das könnte der Anfang vom Ende sein", sagte der Franzose dem Spiegel.

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras war daher bei Krisengesprächen am Freitag in Brüssel um Schadensbegrenzung bemüht. "Ich denke, dass wir am Ende all diese Missverständnisse ausräumen können", sagte Tsipras. Griechenland habe bereits begonnen, seine für die Verlängerung des Hilfsprogramms eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. "Wir erledigen unseren Teil, und wir erwarten, dass unsere Partner ihren Teil beitragen."

Das klang in den vergangenen Tagen noch ganz anders: Der griechische Justizminister Nikos Paraskevopoulos hatte mit der Pfändung deutscher Immobilien gedroht, Außenminister Nikos Kotzias sprach von kulturellem Rassismus gegenüber seinem Land, Verteidigungsminister Kammenos drohte mit der Entsendung illegaler Einwanderer nach Berlin.

Auch EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zeigte sich unzufrieden mit den Entwicklungen in den vergangenen Wochen. Er wies darauf hin, dass ein Durchbruch im Schuldenstreit nicht in Sicht sei. Er halte es aber für ausgeschlossen, dass Griechenland wegen seiner Schuldenprobleme den Euro aufgebe, sagte Juncker.  

Die EU will Klarheit über die Finanzlage in Griechenland

Zuvor hatte Schäuble allerdings deutlich gemacht, dass er den Ausgangspunkt für die verfahrene Situation allein in Athen sieht und auch einen ungeplanten Austritt Griechenlands aus der Eurozone für denkbar hält.

Juncker betonte, die EU-Kommission könne nur Vorschläge machen und als Vermittler dienen. Entscheidungen seien Sache der Eurogruppe, in der Vertreter der nationalen Regierungen sitzen. Sie hatten Ende Februar vereinbart, das mittlerweile bereits zweite große Hilfsprogramm für Griechenland bis Ende Juni zu verlängern. Frisches Geld soll es aber nur dann geben, wenn die Regierung in Athen Reform- und Sparauflagen einhält. Gespräche von Experten auf beiden Seiten laufen dazu seit dieser Woche. Sie sollen auch Klarheit über die akuten Finanznöte bringen.