ZEIT ONLINE: Herr Schwarzenberger, was ist bei Ihnen in Elmau eigentlich los, wenn mal kein G7-Gipfel ist?

Thomas Schwarzenberger: Natur, Trachten und Volksmusik. Das Trachtengaufest, das Bezirksmusikfest und die Bauernwochen im Herbst sind unsere größten Veranstaltungen. In den Bauernwochen werden die Ziegen und Schafe und Pferde von den Almen zurück ins Tal getrieben. Die Viecher müssen ja jeden Sommer hoch auf die Alm, weil es im Tal sonst nicht genug Futter gibt.

ZEIT ONLINE: Sind Sie aufgeregt, in wenigen Tagen kommen Obama und Co.?

Schwarzenberger: Noch bin ich gelassen. Und grundsätzlich bin ich stolz, Veranstalter für so ein Ereignis zu sein. Wir sind gut vorbereitet. Beide Sicherheitsbereiche werden gerade fertig gestellt. Sicherheitsbereich 1, der sich nur wenige Hundert Meter um das Schloss-Hotel Elmau erstreckt, wird vom Bundeskriminalamt errichtet und verantwortet. Sicherheitsbereich 2, worüber jetzt viele reden, wird vom LKA gesichert.

ZEIT ONLINE: Sicherheitsbereich 2 wird durch einen sieben Kilometer langen Maschendrahtzaun, der sich durch Ihre Naturlandschaft zieht, begrenzt?

Schwarzenberger: Ja, insgesamt hat der Sicherheitsbereich einen Umfang von 16 Kilometern, aber nur etwa die Hälfte davon wird durch den Zaun begrenzt. Das Gelände entlang der anderen Hälfte ist so bergig und steil, dass kein Zaun nötig ist.

ZEIT ONLINE: Hieß es nicht im Vorfeld der Planungen, in Elmau werde es anders als in Heiligendamm vor acht Jahren gar keinen Zaun geben?

Schwarzenberger: Gibt es auch nicht. Zumindest ist unser Zaun nicht einbetoniert. Die Zaunfelder sind mit Schutzflies an den Bäumen befestigt und werden nach dem Gipfel wieder abgebaut.

ZEIT ONLINE: Wenn G-7-Protestler ihn nicht vorher abreißen?

Schwarzenberger: Ich hoffe, dass das alles friedlich abläuft. Es hat sich ja ein Bündnis gegen G 7 gegründet. Diese Stopp-G-7-Gruppe hat sich in zwei Lager geteilt. Auf der einen Seite die Menschen, die friedlich demonstrieren wollen, auf der anderen die Gewaltbereiten.

ZEIT ONLINE: Rechnen Sie mit Ausschreitungen während des Gipfel-Wochenendes?

Schwarzenberger: Die Einsatzkräfte haben sich ja mehr als ein Jahr auf dieses Wochenende vorbereitet. Die Präsenz der Polizei wird hoch sein: 17.000 Beamte zwischen dem Flughafen in München und Schloss Elmau. Aber es wird sicher Leute geben, die die Sicherheitszonen durchbrechen wollen.

ZEIT ONLINE: Mitten im Gebirge?

Schwarzenberger: Vermutlich wird das ein Problem werden für beide Seiten. Die Polizisten kommen auch aus allen Bundesländern. Also werden auch einige dabei sein, die gebirgsunerfahren sind. Die werden vielleicht Probleme beim Klettern bekommen. Aber das geht den Aktivisten sicher ähnlich.

ZEIT ONLINE: Die Stopp-G-7-Gruppe hofft immer noch darauf, eine 7.000 Quadratmeter große Fläche in Garmisch-Partenkirchen zu mieten, um darauf zu campen. Wieso haben die G-7-Gegner keine Fläche in Ihrer Gemeinde bekommen?

Schwarzenberger: Die Bauern in der Region haben einfach kein Verständnis und keine Lust, ihren Boden für so etwas zur Verfügung zu stellen. Der Mann, der den Demonstranten die Wiese verpachtet hat, hat selbst übrigens keine Landwirtschaft. Mittlerweile steht er unter Polizeischutz.

ZEIT ONLINE: Gab es Drohungen gegen ihn?

Schwarzenberger: Ich glaube, die Polizei hat das von sich aus gemacht. Aber es ist kein Geheimnis, dass den Bauern in der Nachbarschaft die Entscheidung des Herren nicht gefiel. 1.000 Leute sollten auf der Wiese campen, obwohl es dort keinen Strom und keinen Wasseranschluss gibt. Und wer weiß: Wenn erst von 1.000 Leuten die Rede ist, wären es am Ende womöglich 1.300 geworden.

ZEIT ONLINE: Jetzt wurde das Campen wegen angeblicher Hochwassergefahr untersagt. Wollen Sie nicht, dass die Menschen demonstrieren?