Die Bundeswehr förderte massiv den Export deutscher Rüstungstechnik des Konzerns Rheinmetall Defence. Das Unternehmen empfing mehrfach ausländische Armeen als "Industriebesuche" in einer deutschen Kaserne, außerdem entsandte die Bundeswehr "Militärberater" zum Aufbau eines Gefechtsübungszentrums nach Russland.

Nach ZEIT-Informationen besuchten Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate zwischen 2009 und 2014 mehrmals das Gefechtsübungszentrum des Heeres (GÜZ) in Letzlingen in Sachsen-Anhalt. Es wird von Rheinmetall betrieben. Vier Mal trafen die Gäste dabei auch auf Manager von Rheinmetall, die ihnen das öffentlich-private Betreibermodell oder Militär- und Systemtechnik in der Kaserne vorstellten. Im Jahr 2010 bestellten die Emirate dann ein Gefechtsübungszentrum im Wert von 70 Millionen Euro bei Rheinmetall Defence. Das Projekt ist inzwischen fertiggestellt. 

Seit 2006 wurden zudem mehr als 130 Bundeswehrsoldaten für die Unterstützung von Rüstungsexporten abgestellt. Ihre Aufgabe war es, ausländische Militärs für die Nutzung des in Deutschland bestellten Geräts auszubilden. Wie aus einer Liste des Verteidigungsministeriums hervorgeht, trug die Kosten für die Arbeitsleistung der Soldaten fast immer das Empfängerland.

In den Jahren 2010 und 2014 wurden zur Unterstützung des Verkaufs der Aufklärungsdrohne LUNA an Saudi-Arabien Ausbilder losgeschickt. Weitere Ausbilder wurden unter anderem für die U-Boot-Lieferungen an Israel zur Verfügung gestellt. Die Bundeswehr kümmert sich außerdem nach dem Verkauf von zwei Kriegsschiffen an Algerien um die Ausbildung der Besatzungen der beiden Fregatten. Diese begann laut Ministerium im April 2013 und soll noch bis Juli 2017 fortgesetzt werden. Benötigt würden dafür bis zu 20 Bundeswehrangehörige, hieß es. Die Kosten, die Algerien trägt, wurden auf rund 12,6 Millionen Euro veranschlagt.

Die Bundeswehr unterstützte als Verkaufshelfer auch einen weiteren Millionen-Deal zwischen dem Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern und Russland. Acht Mal besuchten russische Delegationen seit 2008 das GÜZ – mehrmals waren Manager von Rheinmetall anwesend. Allein sechs Besuche fanden im Jahr 2011 statt. Ein beteiligter Hauptmann der Bundeswehr beschreibt einen Besuch gegenüber der ZEIT als "Verkaufsveranstaltung für die Russen". Im selben Jahr orderte Russland ein Trainingszentrum für rund 100 Millionen Euro bei Rheinmetall. 

Daraufhin entsandte die Bundeswehr 2012 und 2013 zwei Mal insgesamt neun deutsche Soldaten an die Wolga. Die Militärexperten aus dem deutschen Gefechtsübungszentrum bildeten Ausbilder des russischen Zentrums aus. Sie sollten bei der "erfolgreichen Implementierung" des GÜZ in Russland helfen, teilt das Verteidigungsministerium mit. Bis vergangenes Jahr gab es zudem eine Gruppe aus Bundeswehrexperten, die die russische Armee beim Aufbau des Zentrums berieten.

Wegen des Ukraine-Konflikts hat die Bundesregierung ihre Ausfuhrgenehmigung mittlerweile widerrufen und den Bau des Armee-Trainingszentrums durch die deutsche Firma gestoppt. Rheinmetall verhandelt darum derzeit mit der Regierung um eine Schadenersatzzahlung in Millionenhöhe.