In Bayern eröffnet das bundesweit erste Aufnahmezentrum speziell für Balkan-Flüchtlinge. In einer ehemaligen Kaserne am Rande von Manching bei Ingolstadt sollen künftig 500 Flüchtlinge aus Südosteuropa untergebracht werden, die zumeist keinerlei Chance auf ein Bleiberecht in Deutschland haben.

Insgesamt sollen rund 1.500 Balkan-Flüchtlinge im Raum Ingolstadt zusammengefasst werden, insgesamt an drei Standorten. Alle zuständigen Behörden sollen dort zusammenarbeiten, um die Verfahren deutlich schneller als bisher abwickeln zu können. Ziel ist es, abgelehnte Asylbewerber so schnell wie möglich wieder in ihre Heimat zurückzuschicken. Ein zweites solches Zentrum soll in Bamberg entstehen.

Das Münchner CSU-Kabinett hatte mit seinem Beschluss vom Juli bundesweit Kritik auf sich gezogen. Vonseiten des Bundes wird das Vorgehen allerdings befürwortet. Bei einem Flüchtlingsgipfel Mitte Juni war beschlossen worden, Asylbewerber aus Ländern mit hohen Ablehnungsquoten innerhalb von drei Monaten "aus den Erstaufnahmeeinrichtungen heraus" in ihre Heimat zurückzuschicken.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann verteidigte die "spezialisierten Erstaufnahmeeinrichtung" für Migranten vom Balkan, die nur in Einzelfällen Asyl in Deutschland erhielten. Das Ziel sei es, die Effizienz des Asylverfahrens zu erhöhen und den ganzen Prozess in einer Einrichtung abzuwickeln, ohne die Migranten im Land herumschicken zu müssen. Das Verfahren solle so in sechs Wochen abgeschlossen werden.

In Sachsen will sich der Landtag in einer Sondersitzung mit den steigenden Flüchtlingszahlen und den Herausforderungen für das Land befassen. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) wird sich dabei auch zu den Ereignissen in Heidenau äußern. Er hatte die Krawalle von Rechtsradikalen bereits scharf verurteilt und versichert, dass die sächsischen Behörden mit aller Härte dagegen vorgehen.

Hunderte Flüchtlinge erreichen über Ungarn und Österreich München

Am Montagabend und in der Nacht zum Dienstag waren Hunderte Flüchtlinge mit Zügen aus Ungarn und Österreich nach Bayern gekommen. Zuvor hatte die ungarische Polizei am größten Budapester Bahnhof überraschend aufgehört, Flüchtlinge am Besteigen der Züge Richtung Westen zu hindern. Die Polizei schätzte, dass insgesamt etwa 800 Flüchtlinge in München angekommen sind, viele von ihnen stammen aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Einige Flüchtlinge seien direkt registriert worden, andere wurden mit Bussen in Erstaufnahmeeinrichtungen gebracht. 

Hermann versicherte, diese Flüchtlinge würden nicht nach Ungarn zurückgeschickt. Das sei selbstverständlich. Er wisse bisher nicht, warum Ungarn plötzlich den in Budapest wartenden Migranten die freie Weiterfahrt nach Deutschland erlaubt habe. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und er seien bemüht, rasch von Ungarn zu erfahren, wie es in den nächsten Tagen weitergehen solle.

Laut dem Dublin-System ist eigentlich dasjenige EU-Land für die Aufnahme von Flüchtlingen und die Bearbeitung ihrer Asylanträge zuständig, in dem sie erstmals die Europäische Union betraten. Angesichts des starken Anstiegs der Flüchtlingszahlen lassen Italien, Griechenland und Ungarn, wo die meisten Flüchtlinge in die EU gelangen, die Migranten aber inzwischen weitgehend unkontrolliert weiterreisen.