Der Friedensnobelpreis 2015 geht an das Tunesische Quartett für den nationalen Dialog. Das gab die norwegische Jury am Freitag in Oslo bekannt. Der Preis werde für die Bemühungen um eine pluralistische Demokratie in dem nordafrikanischen Land im Zuge des Arabischen Frühlings vergeben, hieß es in der Begründung für die prestigeträchtige Auszeichnung. 

Zu den möglichen Kandidaten für die Auszeichnung hatte in diesem Jahr auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gehört. Im vergangenen Jahr hatten sich die Kinderrechtsaktivisten Malala Yousafzai aus Pakistan und Kailash Satyarthi aus Indien den Nobelpreis geteilt.

Das Quartett besteht aus dem tunesischen Gewerkschaftsverband (UGTT), dem Arbeitgeberverband (UTICA), der Menschenrechtsliga (LTDH) und der Anwaltskammer. Das Nobelkomitee äußerte seine Hoffnung, dass der Nobelpreis Tunesiens Weg zur Demokratie sichern werde. Der Preis solle aber auch "Ansporn für alle sein, die Frieden und Demokratie im Nahen Osten, Nordafrika und im Rest der Welt voranbringen wollen".

Als das Land am Rande des Bürgerkriegs gestanden habe, habe dasQuartett einen "alternativen, friedlichen politischen Prozess etabliert", lautete die Begründung weiter. Das habe entscheidend dazu beigetragen, dass binnen wenigen Jahren "ein verfassungsmäßiges Regierungssystem errichtet wurde, das der gesamten Bevölkerung grundlegende Rechte garantiert, ungeachtet des Geschlechts, der politischen Überzeugung oder des religiösen Glaubens".

Die Gruppe bemühte sich infolge des Sturzes des langjährigen tunesischen Machthabers Zine el Abidine Ben Ali 2011, einen Übergang zur Demokratie zu ermöglichen. Tunesien war Ausgangsland des sogenannten Arabischen Frühlings, bei dem in Volksaufständen mehrere Machthaber arabischer Länder gestürzt wurden. In der noch jungen und fragilen Demokratie des Landes gab es in diesem Jahr zwei schwere Terroranschläge auf Touristen mit vielen Toten.

In einer erste Reaktionen gratulierte die Bundesregierung den Mitgliedern des Dialogquartetts. "Es ist der verdiente Lohn für eine Arbeit an der Demokratie, für ein Festhalten an der Idee, dass ein Volk, das eine Diktatur abgeschüttelt hat, etwas besseres verdient als eine neue Diktatur", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Kurz vor der Verkündung hatten norwegische Medien auf eine Auszeichnung für Bemühungen zur Atomabrüstung getippt. 70 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki könnte etwa die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) geehrt werden, hatten Experten des Fernsehsenders NRK vermutet.

Der Friedensnobelpreis ist mit etwa 850.000 Euro dotiert und wird – anders als die anderen Nobelpreise – nicht in Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo bekannt gegeben. Überreicht werden alle Preise am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.