In Belgien hat die Polizei während mehrerer Anti-Terror-Razzien am Sonntag und Montag 21 Verdächtige festgenommen. Der wegen der Pariser Anschläge gesuchte mutmaßliche Terrorist Salah Abdeslam war jedoch nach Angaben der Staatsanwaltschaft allerdings nicht dabei. Für die Hauptstadt Brüssel gilt seit Samstag die höchste Terrorwarnstufe. Die Metro sowie Schulen und Universitäten bleiben damit auch am Montag geschlossen.

Belgische Polizei und Militär hatten auf der Suche nach mehreren Terrorverdächtigen mehrere Stadtviertel von Brüssel sowie die Region Lüttich durchkämmt. Es gab 19 Durchsuchungen in mehreren Gemeinden der Hauptstadtregion und weitere drei Razzien in der wallonischen Industriestadt Charleroi. Es seien dabei weder Waffen noch Explosivstoffe gefunden worden, hieß es noch in der Nacht.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte Berichte über einen Vorfall mit einem BMW, dessen Fahrer nahe der ostbelgischen Stadt Lüttich an einer Kontrollstelle nicht angehalten hatte. Dies habe aber nichts mit der Fahndung nach Mittätern oder Hintermännern der Pariser Attentate zu tun, hieß es. Mehrere belgische Medien, darunter die Zeitung La Libre Belgique, hatten ohne Quellenangabe berichtet, Abdeslam sei in einem Auto in der Nähe von Lüttich gesehen worden und Richtung Deutschland unterwegs gewesen.

"Die Ermittlungen laufen weiter", sagte Staatsanwalt Eric Van Der Sypt. Zu den genauen Hintergründen und dem weiteren Verlauf äußerte er sich nur vage. Zum Anlass der insgesamt 22 Razzien in Brüssel und Charleroi sagte er: "Bestimmte Elemente der Untersuchung haben die Intervention vom Sonntag nötig gemacht." Zur Identität der Verdächtigen könne man noch nichts mitteilen. Einer der Festgenommenen wurde nach offiziellen Angaben bei einem Fluchtversuch in einem Auto verletzt.

Vor allem in der Brüsseler Innenstadt hatte die Polizeiaktion am Sonntagabend Aufregung ausgelöst. Im bei Touristen beliebten Viertel um den Grand-Place waren viele Sicherheitsbeamte zu sehen. Die Sicherheitskräfte sperrten Straßen und forderten Passanten lautstark auf, sich zu entfernen.

In der belgischen Hauptstadt gilt seit dem Wochenende die höchste Terrorwarnstufe. Sie werde wegen einer "ernsthaften und unmittelbaren" Gefahr am Montag beibehalten, teilte Ministerpräsident Charles Michel am Sonntagabend mit. Hintergrund ist die Gefahr von koordinierten Anschlägen wie in Paris, zu denen sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" bekannt hatte.

Hollande und Cameron beraten über Militäroffensive

Die Terrorfurcht und die Sicherheitsvorkehrungen der Regierung hatten das öffentliche Leben in Brüssel am Wochenende weitgehend lahm gelegt. Viele Veranstaltungen wurden abgesagt, Märkte und Cafés blieben geschlossen, viele Straßen waren menschenleer.  "Niemandem gefällt eine solche Situation, auch uns nicht. Aber wir müssen unsere Verantwortung wahrnehmen", sagte Regierungschef Michel. Im Rest des Landes gilt die zweithöchste Terrorstufe.

Innenminister Jan Jambon hatte tagsüber im flämischen Sender VRT bekannt gemacht, dass mehrere Verdächtige noch flüchtig seien. Intensiv gefahndet wird seit der Pariser Terrornacht vom 13. November aber vor allem nach Salah Abdeslam, dem offenbar die Flucht nach Belgien gelungen ist. Sein Bruder war nach Angaben der Ermittler einer der Selbstmordattentäter, die sich bei den Anschlägen mit insgesamt 130 Toten in die Luft sprengten.

Französische Polizei veröffentlicht Foto von Selbstmordattentäter

Noch ist die Identität aller Angreifer nicht geklärt. Die französische Polizei veröffentlichte am Sonntag auf Twitter ein Foto eines der Selbstmordattentäter vom Stade de France und bat um Hilfe bei seiner Identifizierung.

Frankreich will nun zusammen mit anderen Staaten die militärische Offensive gegen den IS vorantreiben. Präsident François Hollande will dies an diesem Montag in Paris zunächst mit dem britischen Premierminister David Cameron besprechen. Er reist in den kommenden Tagen auch nach Washington und Moskau, um auf eine stärkere internationale Koalition gegen den IS zu dringen. Frankreich will den IS nach Worten von Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian vernichten.

Der IS hat neben den Anschlägen in Paris auch die Verantwortung für die  tödlichen Selbstmordanschläge in Beirut und den Absturz einer russischen Passagiermaschine über der ägyptischen Sinaihalbinsel übernommen. Alle Angriffe ereigneten sich binnen eines Monats.