Ein neuer Untersuchungsbericht zum Tode Alexander Litwinkenkos erhöht die Spannungen zwischen Großbritannien und Russland. Premierminister David Cameron sagte, die Ermordung des früheren russischen KGB-Agenten und Kreml-Kritikers im Jahr 2006 sei ein "vom Staat unterstütztes" Verbrechen. Damit unterstützt Cameron die Aussage des Richters, der den Untersuchungsbericht am Vormittag vorgestellt und erklärt hatte, Russlands Präsident Wladimir Putin habe die Ermordung Litwinenkos "wahrscheinlich" vor zehn Jahren in London "gebilligt".

Russland wies den Bericht vehement zurück. Dort hält man die Untersuchung für "einen Witz": Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, der Bericht, der auf "vertraulichen Informationen nicht identifizierter Geheimdienste" beruhe, sei ein Beispiel für den britischen Humor. Ein Sprecher des russischen Präsidialamtes drohte: "Solche Quasi-Ermittlungen wie die, über die wir heute reden, können unsere bilateralen Beziehungen weiter vergiften", sagte Dmitri Peskow. Russland werde alle nötigen Antworten auf diplomatischen Kanälen geben.

Britische Ermittler sind überzeugt, dass Litwinenko 2006 mit dem radioaktiven Stoff Polonium-210 vergiftet wurde. Die gerichtliche Untersuchung ist jedoch nicht mit einem Prozess gleichzusetzen und hat keine direkten strafrechtliche Konsequenzen. Beweise für das Mitwissen oder die Zustimmung Putins legte Richter Robert Owen nicht vor. Für seine Schlussfolgerung spräche aber die Kommandostruktur des Geheimdienstes, über die Zeugen in den Anhörungen gesprochen hatten. Für erwiesen hält er, dass die beiden tatverdächtigen Russen Andrej Lugowoi und Dmitri Kowtun Litwinenko absichtlich töteten, indem sie seinen Tee mit dem radioaktiven Gift verseuchten.

Das Ergebnis des "Pseudogerichtsverfahrens" sei "widersprüchlich und verbrecherisch", teilte das Außenministerium in Moskau mit. "Das Spiel hinter den Kulissen hatte nur ein Ziel: Russland und seine Führung anzuschwärzen", sagte Sprecherin Maria Sacharowa der Agentur Interfax zufolge. "Erwartungsgemäß gab es keine Sensation", sagte der frühere Geheimdienstler und heutige Duma-Abgeordnete Lugowoi, die Vorwürfe seien "absurd". Kowtun warf dem leitenden Richter Robert Owen vor, auf Grundlage "gefälschter Beweise" entschieden zu haben.

Litwinenko gehörte zu den schärfsten Kritikern des Kremls. Unter anderem hatte er den Geheimdienst beschuldigt, für Bombenanschläge auf Wohnhäuser in Russland verantwortlich zu sein, die 1999 einen Vorwand für den zweiten Tschetschenien-Krieg liefern sollten. Seine Frau Marina hatte die gerichtliche Untersuchung gegen den Willen der britischen Regierung durchgesetzt. Auf dem Sterbebett hatte Litwinenko Putin beschuldigt, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Sie sei froh, dass dies nun bestätigt worden sei, sagte die Witwe.